Dr. Johann Georg Schnitzer,
RISIKOFAKTOR BLUTHOCHDRUCK.
Lebensbedrohend, aber heilbar!
Friedrichshafen am Bodensee: 1986, 128 Seiten, Privatdruck
EUR 17,00/CHF 28,00
(mp) Um es gleich vorwegzunehmen: Dank Dr. Schnitzer, eines studierten Zahnmediziners, können auch Sie durch den Kauf dieses Buchs also für weniger als EUR 20 und der darauffolgenden Ernährungsumstellung 140 Jahre alt werden.
bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. (Genesis 1; 28-29)
Die göttliche und Schnitzersche Weisung befolgend, werden auch Sie des Doktors Traum verwirklichen helfen, der da lautet: Die Synthese von Zivilisation und Gesundheit und die Überwindung der Ära chronischer Zivilisationskrankheiten, um den Menschen ein gesundes und glückliches Leben im ökologischen Gleichgewicht mit einer gesunden, von ihnen respektierten und gepflegten Natur ermöglichen.
Selbst das Welthungerproblem wäre gelöst, ernährte sich der Mensch nur von Feldfrüchten wie Getreide, Leguminosen, Nüssen, anderen Samen, Wurzelgemüse- und grünen Salaten statt von Fleisch, rechnet Schnitzer dem Leser vor. Und als Beweis, daß dabei mit keinerlei Elaneinbrüchen zu rechnen sei, führt er als erstes die römischen Legionäre als Beispiel an, die mit einer Tagesration von 750 bis 850 Gramm Getreide immerhin ein ganzes Weltreich erobert hatten, und das auch noch zu Fuß!
Die außerordentlichen Leistungen der Österreicher bei der Vierschanzentournee durch die Alpenländer 1979 und die beachtlichen Erfolge der anschließend stattfindenden Olympischen Winterspiele in Lake Placid verdanken die Hochleistungssportler übrigens auch Dr. Schnitzer, der den damaligen Trainer der Nationalmannschaft, Dr. Baldur Preiml, von der Notwendigkeit einer Ernährungsumstellung überzeugen konnte.
Die Argumentation für eine radikale Veränderung der Ernährung beginnt bei Schnitzer beim Zweiten Weltkrieg. Damals, als die Menschen keine denaturierten Lebensmittel und nur wenig Proteine zu sich genommen haben, waren Herz-Kreislauf-Krankheiten eine Seltenheit. Der Deutsche war ausreichend und natürlich ernährt, gesund und schlank. Erst später, genauer nach der Währungsreform 1948, kam die Freßwelle, deren Rechnung Deutschland nach etwa 20 Jahren serviert bekam: Degenerationserscheinungen, welche zum gesundheitlichen und wirtschaftlichen Niedergang z.B. der deutschen Bevölkerung geführt haben schon 1964 wurden bei 41% der Jugendlichen schiefstehende Zähne registriert! Die Zahl der Diabetiker stieg sprunghaft an, und Herz-Kreislauf-Störungen wurden zur häufigsten Todesursache, obwohl die Werte für den normalen Hämatokritwert (prozentualer Volumenanteil der Blutzellen an der Gesamtblutmenge) definitorisch erhöht wurden.
Nicht gewußt (oder unter den Tisch gewischt?) hat hier der Autor freilich die Tatsache, daß auch bei Diabetes die Werte verändert wurden, hier allerdings nach unten, so daß zumindest ein Teil des Ansprungs auch dadurch erklärt werden kann.
Die Ursache für Bluthochdruck sieht Schnitzer vor allem am Eiweißüberschuß, den sich der Mensch angefressen hat. Ein zu hoher Proteinkonsum, der eine erhöhte Produktion an Blutzellen bewirkt, was das Blut zähflüssiger macht, sowie die Ablagerungen von Eiweiß, die die Blutgefäße verengen, zwingen den Körper dazu, den Blutdruck zu erhöhen, damit trotz der widrigen Umstände genügend Sauerstoff in die Zellen gelangen kann. Symptombekämpfung mit Medikamenten zur Blutverdünnung ändern nichts am Grundübel und haben überdies höchst unangenehme Nebenwirkungen, wie beispielsweise ein allgemein schlechtes Befinden oder gar Impotenz, weiß der Autor.
Und da etwa die Hälfte aller Bundesbürger mit einem zu hohen Blutdruck und somit unter anderem mit der Gefahr eines Infarkts lebt, empfiehlt er dringend eine Umstellung der Ernährung. Die ausführliche Beschreibung eines Frühstücks, eines Mittag- und eines Abendessens gibt dem Leser ein Beispiel für die tägliche Ernährung, die ihn gesund macht und gesund erhält. Um dem Magen-Darm-Trakt die Umstellung zu erleichtern, schlägt der Autor eine Getreidesuppendiät vor, die je nachdem wie ungesund man sich vorher ernährt hatte und wie geschwächt die Verdauungsorgane schon sind 3 Tage bis 3 Wochen dauern soll. Im Rezeptteil kann sich der Leser über die Zubereitungsarten verschiedener Getreidesuppen und Frischkornmüsli informieren. Nach der ausführlichen Beschreibung der prinzipiellen Zusammensetzung der Mittags- und Abendmahlzeiten findet sich ein Rezept für eine spanische Salatsuppe Gaspacho, die allerdings ihren Namen leider nicht verdient: Wir bereiten zunächst einen gesunden gemischten Salat aus Blattsalaten, Wurzelgemüsen, Gemüsefrüchten, angekeimten Samen und mit einer schmackhaften, gesunden Salatsauce. Dann füllen wir diesen Salat in den Mixer, Bei einer solcherart massakrierten Gazpacho raufen sich nicht nur gestandene Spanier die Haare.
Um den natürlichen Kreislauf zu fördern, empfiehlt Schnitzer einen gemächlichen Aufbau an sportlicher Betätigung, vom Gehen über das Radfahren zum Fitneß-Studio. Rauchen ist wen überrascht das noch selbstmörderisch und damit selbstverständlich mega-out.
Anhand von 5 Fallbeispielen führt er dem Leser die blutdrucksenkende Wirkung seiner Methode vor Augen und straft damit die Schulmedizin Lügen, die da behauptet, Bluthochdruck sei chronisch und nicht heilbar. Um jedem, der gewillt ist, seine Ernährung richtigzustellen und die Erfolgskontrolle zu erleichtern, steht eine Tabelle zum Kopieren bereit, auf der die gemessenen Blutdruck- und Hämatokritwerte eingetragen werden können.
Wie der Autor selbst betont, fällt es obwohl es sich mittlerweile herumgesprochen hat, daß die heutige Zivilisationsernährung falsch und krankheitserzeugend ist angesichts der Flut von widersprüchlichen Empfehlungen nicht leicht, seine Ernährung um- und richtigzustellen. Am häufigsten treffe man auf Ratschläge, die nichts anderes seien als geschickt lancierte gezielte Desinformationen von Interessengruppen, die, auf der Gesundheitswelle reitend, ihre Produkte unter die Leute zu bringen suchen. Heute werde gegessen, was Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie produzieren und der Handel anbietet, statt daß diese produzieren, was die Bundesbürger wünschen und brauchen.
Die Crux dabei übersieht der Autor geflissentlich. Was der Mensch für ein gesundes Leben braucht, und was er sich wünscht, widerspricht sich nun mal. Weshalb sonst hätten sich die Menschen nach dem Krieg auf Lucky Strikes, Schokolade und Fleisch gestürzt?
Sich strikt an Halbwahrheiten haltend, überspringt Schnitzer bravourös und vor Eigenlob strotzend jede auch noch so unüberwindlich scheinende Hürde. Dabei ist es ja durchaus nicht einmal so, als ob prinzipiell alles falsch wäre, was er da sagt. Aber: C'est le ton, qui fait la musique. Der Stil allein, eine gekonnte Mischung zwischen Schlangenölverkäufer und Billigem Jakob, überheblich-allwissend und penetrant-missionarisch, wird die meisten Leser dazu verleiten, das ganze Buch in Bausch und Bogen zu verdammen.
Man mag das bedauern, aber dies sind nun mal Erfahrungen, um die die meisten Sektierer nicht herumkommen, auch wenn sie, wie in diesem Buch geschehen, die Pluralform von Gefäßpropfen nicht Gefäßpfröpfen nennen, den Teelöffel nicht mit nur einem e schreiben und den Circulus vitiosus nicht mit einem Teufelskreis verwechseln. Was nur einmal wieder beweist, daß auch der gesündeste Blutdruck nicht vor sprachlichen Durchhängern schützen muß
Für alle, die es trotzdem nicht lassen können, hier die Bestelladresse: