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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Wo und wie der BND die Fäden zieht


    Erich Schmidt-Eenboom,
    UNDERCOVER.
    Wie der BND die deutschen Medien steuert.

    München: 1999, 496 Seiten, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf.
    DEM 16,90/ATS 123,00
    ISBN: 342677464X


    (mp) Das vorliegende Buch des Direktors des Forschungsinstituts für Friedenspolitik in Weilheim/Oberbayern, der als Experte für deutsche und internationale Geheimdienste gilt, ist die intensiv überarbeitete Taschenbuchfassung der 1998 erschienenen Hardcover-Ausgabe.

    Daß im Herbst 1969 Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt wurde, war ein großer Schock für alle, die sich dem “CDU-Staat” verbunden fühlten, denn für die geschlossene Gesellschaft von Geheimdienst und seinen Paladinen im öffentlichen Raum schien eine Ära zu Ende zu gehen. Als Horst Ehmke das Bundeskanzleramt und damit auch die Aufsicht über die Nachrichtendienste übernahm, wollte er, einem Gerücht nachgehend, vom BND wissen, ob Journalisten auf der Lohnliste stünden, und wenn, wofür sie bezahlt würden. Er bekam eine Liste mit Namen nicht operativ genutzter Journalisten und Summen, die beide sein Erstaunen hervorriefen. Mit einem Hinweis auf nachrichtendienstliche Grundregeln wurde ihm der Zugriff auf die operativ genutzten Kontakte erfolgreich verwehrt.

    Erst 25 Jahre später lag die vollständige Liste mit 230 Namen vor, die als Ausgangspunkt für diese Recherche diente, welche sowohl die Beziehungen von BND-Konfidenten untereinander und ihre Wege aus dem Dritten Reich in die Bonner Republik beschreiben als auch den Aufstieg in die Spitze der Meinungsmacher so mancher “Vertrauensjournalisten” des BNDs.

    Wer sich allerdings weder im Personenkreis des deutschen Blätterwaldes noch in dem deutscher Radio- oder Fernsehanstalten auskennt, der wird sich kaum durch die unzähligen Fakten durchbeißen können, die sich um zum Teil doch renommierte Journalisten und Journalistinnen ranken. Da ist beispielsweise von Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff die Rede, die unter dem Decknamen DOROTHEA beim Bundesnachrichtendienst 1970 als erstrangige BND-Presseverbindung registriert war; von Walter Steigner, der 1968 als Intendant zur Deutschen Welle stieß; und von Anne Heufelder, die Leiterin des Referats Eurovision beim Zweiten Deutschen Fernsehen war.

    Knochentrocken deckt Geheimdienstexperte Schmidt den Einfluß auf, den der Bundesnachrichtendienst auf die veröffentlichte (und somit auf die öffentliche) Meinung in der Bundesrepublik nahm und nimmt. Daß der Dienst bei seinen Anfragen nicht immer auf offene Ohren stieß, wie beispielsweise beim Film- und Buchautor Dagobert Lindlau und dem ZDF-Fernsehjournalisten Hellmuth Wiesner, hat dem Eifer der Schlapphüte keinen Abbruch getan.

    Allein nach dem Durchblättern wird freilich auch der unbedarftere Leser folgendes Fazit ziehen: Der BND hat überall die Finger drin; sowohl in den Printmedien als auch in den Rundfunk- und den Fernsehanstalten. Und damit liegt der flüchtig Lesende gar nicht so falsch.

    Denn das Spektrum reicht von handfesten Aufklärungsaufträgen für Quick-Redakteure in Afrika über vom BND finanzierte außenpolitische Fachzeitschriften bis zur Anwerbung von Journalisten mit sprachlichen und juristischen Jugoslawien-Kenntnissen durch eine in Pullach angesiedelte und von einem Tölzer BND-Mitarbeiter betriebene Presseagentur während des Kosovo-Kriegs.

    Die Geschichte der Veröffentlichung einer der wohl zahmsten Geheimdienstmemoiren – “Erlebter BND. Kritisches Plädoyer eines Insiders” von Waldemar Markwardt, Berlin 1996 – ist nur ein aufgeführtes Beispiel von vielen, die veranschaulichen, mit welchen Mitteln der BND Zensurmöglichkeiten sucht, diese dann tatsächlich findet und auch weidlich nutzt. Selbst vor Druckmitteln wie Rentenkürzung schreckte man hier nicht zurück.

    Bleibt eigentlich nur noch die Frage, weshalb dieses aufklärerische Werk, das sich so ausführlich dem brisanten Thema der vom BND geschönten Meinungsmache auseinandersetzt, überhaupt erscheinen konnte. Es ist ja nicht so, daß sich kein Widerstand dagegen geregt hätte.

    Eine der möglichen Erklärungen mag lauten, daß dieses Buch, das zwar zurecht als wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte gewertet wird, bedauerlicherweise als Speziallektüre für einige wenige Insider bezeichnet werden muß. So richtete sich denn die Welle der Empörung nach der Veröffentlichung vor allem gegen die betroffenen Journalisten, und was kümmert den BND schon ein solcher Sturm im Wasserglas?




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