Sylvia Sprenger, Oliver Vogel [Herausgeber]:
40 WAYS TO LEAVE YOUR LOVER.
Geschichten und Anleitungen
Frankfurt am Main: 2000, 320 Seiten, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
DEM 8,00/ATS 58,00
ISBN: 3596503507
(mp) Ob es nun an der falsch ausgedrückten Zahncrèmetube, an der Schwiegermutter oder an anderen widrigen Umständen liegt die Liebe zwischen zwei Menschen scheint so gut wie keine Chance zu haben.
Vielleicht quellen gerade deswegen die Bibliotheken rund um den Globus über mit tragisch endenden Geschichten, die das Leben schrieb. Daß freilich nicht nur das Leben texten kann, beweisen die Autoren der vierzig kurzen Liebes- und Leidensgeschichten, die nicht in Hollywood umgeschrieben wurden, um mit einem Happy End die Illusion der ewig währenden Liebe, Leidenschaft und trauten Zweisamkeit als ehrliche Steuerbürger aufrechtzuhalten.
Die Beiträge der vorliegende Sammlung ranken sich allesamt um die unausrottbare Hoffnung auf eine dauerhafte, harmonische Zweierbeziehung. Und damit allein sollte schon klar sein, daß, wer Friede, Freude, Eierkuchen sucht, besser die Finger von diesem Buch läßt.
Spätestens wenn die einst als liebenswert eingestufte Zerstreutheit des Partners zur unzumutbaren und damit zur nervtötenden Schlamperei wird, steht die Trennung im Raum, was meist für den einen das über dem Kopf schwebende Damoklesschwert und für den anderen die einzige Rettung aus der Not bedeutet.
Und wer kennt sie nicht, aus eigener Erfahrung oder eben aus Büchern, die gramvollen Stunden der Sitzengelassenen, die sich mit Hilfe von Selbstmitleid, Mord- oder Selbstmordabsichten am Leben erhalten. Oder die schicksalsschwangeren Monate vor der Entscheidung der Weitersuchenden, die nicht bereit sind, die Hoffnung auf die wahre Liebe an den Nagel zu hängen. Und so folgt dann der ersten großen Liebe logischerweise die zweite, die dritte
Um Hoffnungen zu zerschlagen, Mißverständnisse zu entlarven und Illusionen platzen zu lassen, sind nicht immer so viele Worte nötig wie beispielsweise in Shakespeares Tragödie Romeo und Julia, das beweisen hier unter anderen so unterschiedliche Autoren wie Hera Lind, Judith Hermann, Doris Lerch, Charles Bukowski, Robert Gernhardt, John Updike, Friedrich Glauser, Arthur Schnitzler, Milena Moser und Ernst Hemingway.
Obwohl die Anzahl der Trennungsvarianten nicht ganz stimmt, möchte der Titel des Buches zweifelsohne an den Erfolg des fast gleichnamigen Songs anknüpfen. Wer weiß, vielleicht lockt er wirklich Scharen von kauffreudigen Lesern an, sofern diese sich nicht dem Irrtum hingeben, ein englischsprachiges Werk vor sich zu haben. Irreführend ist die Überschrift nicht nur der Sprache wegen, denn es geht in den vorliegenden Texten keineswegs einzig und allein um die, die sich in einer Beziehung gefangen fühlen, sich zum Ausbruch entscheiden und einen Ausweg gefunden haben, sondern auch um die Verlassenen. Wenn schon nicht als Titel weil nicht ganz so reißerisch , dann aber bestimmt als Trost spendender Untertitel wäre Den anderen geht's auch nicht besser beim liebeskranken Leser bestimmt gut angekommen.
Das Buch wird als Urlaubslektüre angepriesen und ist auch am besten häppchenweise als solche zu genießen. Und wer nicht mit ernstgemeinten Tips zum Trennungsvollzug rechnet, der kann sich die fünf knappen, humorigen Anleitungen von Kate Fillion und Ellen Ladowsky Wie sage ich's ihm/ihr per Post, Email, Fax, Telefon oder per Anrufbeantworter sogar während der Taxifahrt zur nächsten Kathedrale oder während des Kamelritts zur x-ten Pyramide zu Gemüte führen.
Locker, luftig und leicht ist diese Sammlung von Texten zu lesen, die sich durch die Bank weg um das Dauerbrenner-Thema Beziehungskiste ranken und die wankelmütige, menschliche Gefühlswelt prosaisch auf den Punkt bringen. Die trockene Art, wie beispielsweise Milena Moser die zwei Frauen in ihrer Geschichte Die andere Frau ihren Werdegang und ihre momentane Situation beschreiben läßt, zeugt von nüchternem Realitätsbewußtsein und grenzt schon erfrischend an Menschenverachtung.
Ob als Erheiterung, als Anleitung, als Mahnung, als gute Unterhaltung oder als Gedankenanstoß; dieses Buch verdient es, Ihre nächste Urlaubsreise mitmachen zu dürfen.