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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Chemiekonzerne und Genfood auf dem Prüfstand


    Buch gleich hier portofrei ordern!

    Marc Lappé, Britt Bailey:
    MACHTKAMPF BIOTECHNOLOGIE:
    Wem gehören unsere Lebensmittel?

    München, 2000, 208 Seiten, Gerling-Akademie Verlag
    EUR 25,00/CHF 49.-
    ISBN: 393242526X

    Hier können Sie das Buch gleich portofrei bestellen!

    (mp) Zu den Autoren: Marc Lappé hat an der University of Pennsylvania in experimenteller Pathologie promoviert und ist Leiter des Center for Ethics and Toxics im nordkalifornischen Gualana, wo auch die Mitautorin Britt Bailey, die ein Studium in Umweltpolitik absolviert hat, arbeitet.

    Die Verfasser geben mit diesem Buch ein Beispiel an investigativem Journalismus. Sie haben sich nicht von den Hochglanzbroschüren des Agrobusiness blenden lassen, sondern direkt vor Ort recherchiert und den gepriesenen Nutzen transgener Pflanzen gründlich unter die Lupe genommen. Sie beschäftigen sich vor allem mit der besonderen Problematik in den Vereinigten Staaten. (Die Abneigung der Alten Welt gegen jegliche Art von Genmanipulation behandeln sie nur am Rande als Sonderfall und führen sie darauf zurück, daß der historische Schock durch das Naziregime das Verhalten des gebrannten Kindes erklärt. Na ja …)

    Von verschiedenen Seiten beleuchten sie die “stille Revolution, die sich in der Lebensmittelherstellung vollzieht”. Im Kapitel “Gentechnik im Portrait” wird aufgezeigt, wie dilettantisch noch immer die Methoden und wie zufällig noch immer die Resultate sind, die uns als gezielte Genkonstrukte präsentiert werden.

    Die beliebtesten Gentech-Produkte auf dem Markt enthalten Gene, die die Pflanzen gegen bestimmte Unkrautvertilgungsmittel resistent machen. Am Beispiel der Herbizide Glyphosat (bekannter unter dem Namen Monsanto-Roundup®) und Bromoxynil (dem Buctril® von Rhône-Poulenc) werden dem Leser die Gefahren für Mensch und Umwelt vor Augen geführt. Auch die bt-Sorten, die mit einem bacillus thuringiensis-Gen “veredelt” wurden, und die sich gegen Insektenfraß richten, bergen Risiken in sich, die von den Konzernen gern unter den Teppich gekehrt werden. Daß sich jetzt schon resistente Insektenstämme entwickelt haben, legen zumindest die Ernteausfälle beim bt-Mais nahe.

    Wer die vertrackten Verträge der Multis mit den Farmern kennt, kommt nicht umhin, an der Redlichkeit der Multis zu zweifeln, die ihre Produkte als vorgebliche Lösung gegen das Welthungerproblem auf den Markt gebracht haben.

    Der Farmer kauft das gentechnisch veränderte Saatgut mit einem Aufpreis ein, kann aber dafür die Produktionskosten senken, weil er mit weniger Personal auskommt. Mit dem Kauf handelt er sich allerdings auch eine ganze Reihe von Auflagen ein. So heißt es bei Monsanto: “Der Käufer erklärt sich damit einverstanden, dieses Saatgut nicht zur Pflanzung an Dritte weiterzugeben, keine aus diesem Saatgut erzeugten Pflanzen zur Neuanpflanzung zurückzubehalten und kein zurückbehaltenes Saatgut an Dritte weiterzugeben. Er erklärt sich damit einverstanden, dieses Saatgut nicht an Dritte zur Pflanzenzucht, zu Forschungszwecken oder zur Saatgutproduktion weiterzugeben. Soll ein Herbizid, das den selben aktiven Wirkstoff wie das Roundup® Ultra Herbizid (oder eines mit ähnlicher Wirkungsweise) enthält, auf Roundup Ready™-Sojabohnen eingesetzt werden, erklärt sich der Pflanzer damit einverstanden, nur das Herbizid der Marke Roundup® anzuwenden.”

    Es ist also kaum verwunderlich, daß Monsanto seine gentechnischen Forschungen locker aus den Gewinnen, die beim Verkauf ihres Unkrautvertilgers herausspringen, berappen kann.

    Im Kapitel “Rechtslage und Aufsichtspflicht” zeigen Lappé und Bailey am Beispiel der Roundup Ready™-Palette von Monsanto auf, wie einfach es ist, die unterschiedlichen Behörden, die in den Vereinigten Staaten als Bewilligungs- oder Kontrollinstanzen beteiligt sind, gegeneinander auszuspielen oder an der Nase herumzuführen. Die vielen Köche, die da den Brei verderben, sind: die Lebensmittelbehörde FDA, das Landwirtschaftsministerium USDA, die Umweltbehörde EPA, der Gesundheitsamtliche Dienst für Vieh und Nutzpflanzen APHIS und die Behörde für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz OSHA.

    Die FDA, bekannt für ihre Genfood-Freundlichkeit, kann zwar jederzeit eine Inspektion durchführen, die Unternehmen haben aber die Möglichkeit, den Kontrollen mit einer Selbstprüfung zuvorzukommen, um so der Kontrollinstanz die eigenen Daten unterzujubeln. Bei einer Selbstanzeige wird ihnen sogar garantiert, daß die Öffentlichkeit nicht erfährt, welche Fehler oder Versäumnisse die Ursache dafür waren, daß die gesetzlichen Auflagen nicht eingehalten wurden. Ein geradezu klassisches Bock-Gärtner-Konstrukt!

    Nicht nur beim Chemiegiganten Monsanto, sondern auch bei Konzernen wie Dow Chemical, Novartis, DuPont oder Rhône Poulenc (um nur einige zu nennen) sind die beiden Autoren bei ihren Recherchen auf unsaubere Machenschaften gestoßen, wie etwa die erschummelte Anhebung von Grenzwerten für Herbizidrückstände im Endprodukt.

    Wie verdeckt der Konsument zum Genfood gezwungen wird, zeigt die Marketingstrategie nach dem Verkaufsflop der ersten beiden genetisch veränderten Lebensmittel, die vor sechs Jahren auf dem amerikanischen Markt auftauchten: die aromatischen, reifen und schnittfesten Gentomaten “McGregor Flavr-Savre®” von Calgene und “Endless Summer®” von DNAP Holding Corporation. Um der Skepsis und dem Argwohn der Konsumenten zu entgehen, wurde die “McGregor Flavr-Savre®” vom neuen Eigentümer Monsanto unter dem Namen “McGregor” “neu”eingeführt – diesmal freilich ohne Hinweis auf ihren gentechnischen Ursprung.

    Bis heute konnte sich die Industrie mit fadenscheinigen Argumenten vor der Deklarationspflicht drücken. Die Ausflüchte reichten von einer “Überforderung des Konsumenten” bis zu seinem angeblichen “Desinteresse”. (Als fühlten sich die Frankenfood-Konzerne plötzlich dem Berufsethos der Unterhaltungsindustrie verpflichtet …) Im übrigen wurde mit der gezielten Vermischung von transgenen und konventionell gezüchteten Nahrungsmitteln die Möglichkeit einer Kennzeichnung bewußt verunmöglicht.

    In einem der letzten Kapitel geben die kritischen Autoren Empfehlungen ab, die vor allem auf eine umfassende Überprüfung der Regulierung, Erprobung und Kontrolle aller gentechnisch veränderten Nutzpflanzen abzielt. Sie empfehlen nachdrücklich ein Moratorium für alle bt-Sorten und sprechen sich für eine detaillierte Deklaration aller genmanipulierten Lebensmittel aus.

    Zum Schluß warnen uns die Autoren mit folgenden Worten vor der zügellosen gentechnischen Revolution: “Indem wir die evolutionären Folgen unserer willkürlichen Entscheidungen außer acht lassen, bürden wir künftigen Generationen möglicherweise eine Welt auf, die nach Maßstäben des späten 20. Jahrhunderts 'gut' sein soll.”

    Wer die Entwicklung im Genfood-Bereich aufmerksam verfolgt, sieht heute die ganze Branche auf äußerst wackligen Beinen stehen. Die Deklarationspflicht steht auch in Amerika vor der Tür. Die Aussagen der Autoren über die Zukunftsaussichten genveränderter Lebensmittel und ihrer Besitzer, der Konzerne, können deshalb mit Fug und Recht als veraltet und überholt angesehen werden.

    Der Gerlinger Akademie Verlag scheint sich in einer Art Dornröschenschlaf befunden zu haben, sonst hätte es bis zur Veröffentlichung der deutschen Ausgabe nicht volle zwei Jahre gedauert. Das Original, das bereits 1998 in den Staaten erschienen ist und die damals durchaus noch aktuelle wirtschaftspolitische Lage beschrieb, wurde von Klaus Sticker aus dem Amerikanischen übersetzt. Ein herausgepicktes Beispiel scheint aussagekräftig genug, die zweifelhafte Qualität seiner Arbeit zu belegen: Das “friendly fire” wird zum “befreundeten Feuer”. Hier hat wohl jemand entweder seinen Quelltext nicht verstanden, wußte nicht was die Zielsprache an Entsprechendem zu bieten hat – oder war schlichtweg zu faul, um nachzuschauen.

    Dennoch ist dieses Buch durchaus als lesenswert zu bezeichnen, da sich die Autoren keineswegs auf die politische und die wirtschaftliche Situationsbeschreibung beschränken. Mit einfachen Worten erläutern sie dem Leser die heute gebräuchlichen Techniken der Genetik und belegen mit ihren akribisch betriebenen und belegten Recherchen die vielschichtigen Gefahren und Gesundheitsrisiken, die uns allen aus der Profitgier einiger großer Chemiekonzerne erwachsen.

    Daß die Chemiemultis nicht allein das Böse verkörpern, sondern nur dank der freundlichen Unterstützung der Clinton-Regierung beachtliche Erfolge verbuchen konnten, beweist die Aktualität, die dieses Buch durch die Aussagen eines amerikanischen Fachanwalts für Verwaltungsrecht gewinnt, der zur Zeit im Auftrag von 26 Verbraucher- und Umweltorganisationen durch Europa reist. Auf Einladung der Bundesfraktion der PDS informiert Dr. Steven M. Druker, der im Mai 1998 mit einer beträchtlichen Anzahl anerkannter Bio-Wissenschaftler und religiöser Persönlichkeiten eine Gemeinschaftsklage gegen die FDA eingereicht hatte, über die bewußt eingefädelten Täuschungsmanöver der Regierung und der Lebensmittel-Zulassungsbehörde in den USA, mit denen die Verbraucher hinters Licht geführt werden.

    Laut Druker gibt die FDA zu, von oben angewiesen worden zu sein, die US-Biotech-Industrie zu fördern und ihre Richtlinien auf die Prämisse zu gründen, daß sich Gen-Food im wesentlichen nicht von konventionellen Lebensmitteln unterscheidet. Aus diesem Grund wurden sogar Fakten von FDA-Wissenschaftlern falsch dargestellt und ihre einschlägigen Warnungen verheimlicht. So wurde beispielsweise die Marktzulassung für die Flavr Savre®-Tomate erteilt und ihre Unbedenklichkeit erklärt, obwohl die eigenen Experten anhand von Laboruntersuchungen erhebliche Gesundheitsrisiken aufzeigten.

    Brisant: Offizielle Aussagen der FDA haben auch in der EU Marktzulassungen gentechnisch veränderter Lebensmittel beeinflußt!




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