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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Noch mehr Leckerbissen aus der Welt des Wissens


    Buch gleich hier portofrei ordern!

    Joachim Heimannsberg:
    BROCKHAUS!
    Ganz schön merkwürdig; was so nicht im Lexikon steht

    Leipzig: 1998, 256 Seiten, Mannheim: Brockhaus
    DEM 14,90/CHF 14.-/ATS 109.-
    ISBN: 3765315532

    Hier können Sie das Buch gleich portofrei bestellen!

    (mp) Wie die BROCKHAUS-Lexikonredaktion schreibt, bietet auch dieser Band – wie der letztjährige – wieder eine bunte Auswahl von “Leckerbissen aus der Welt des Wissens”, auf die sie bei den Arbeiten an ihren großen Nachschlagewerken gestoßen sind. Es sind unglaubliche Geschichten, kuriose Hirngespinste und merkwürdige Begebenheiten, die so tatsächlich in keinem Lexikon stehen.

    In Form von verblüffend banalen Fragen und ebenso überraschenden wie informativen Antworten wird der Leser in einer Art Rätsel-Spiel durch die Kapitel “Rühmliches und Unrühmliches”, “Forschungs- und Ermessensfragen”, “Fröhliches Bestiarium”, “Der Mensch von Kopf bis Fuß”, “Eisbein, Pudding, Dry Martini”, und “Sitten und Gebräuche” geführt.

    Das Stöbern in den “Hobelspänen” der Lexikonarbeit ist eine wahre Freude und trägt unter anderem dazu bei, einige Irrtümer zu klären, denen so manch einer jahrelang aufgesessen ist. Die empörten Proteste des französischen Bürgertums noch im 19. Jahrhundert gegen das ius primae noctis, das “Recht der ersten Nacht”, laut Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte das “Privileg eines Grundherren auf Beiwohnung in der Brautnacht einer Grundhörigen”, hätten so nicht stattfinden können, wäre dieser BROCKHAUS der anderen Art damals schon bekannt gewesen. Der Mythos, es gäbe dieses Recht, war in der Zeit zwischen 1580 und 1640 entstanden. Der Krone nahestehende Juristen wollten mit der Behauptung den Adel desavouieren, was ihnen, wie die Geschichte lehrt, nachhaltig gelungen ist.

    Die Lektüre dieses Bändchens bietet aber auch eine ganze Menge Informationen, die sich mit Dingen beschäftigen, die aus heutiger Sicht zwar als skurrile Banalitäten bezeichnet werden können, es aber für die Betroffenen damals bestimmt nicht waren. So wurde der Taxifahrer Jacob German, der mit seinem Fahrzeug mit annähernd 20 km/h durch die Straßen gebraust war, 1899 in New York als erster Amerikaner wegen zu hoher Geschwindigkeit festgenommen. Gestellt wurde er von einem Polizisten, der mit dem Fahrrad unterwegs war.

    Auch die Frage, wodurch Eleanor Holm in die olympische Geschichte eingegangen ist, führt uns auf die Tatsache zurück, daß sich die Verhältnisse in der menschlichen Gesellschaft zwar nicht fundamental geändert, dafür aber unverkennbar zugespitzt haben. Eleanor Holm hatte sich 1932 in Los Angeles die Goldmedaille beim 100m-Rückenschwimmen geholt. Bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin wurde die außergewöhnlich gutaussehende Weltrekordlerin vom Wettbewerb ausgeschlossen. Die Begründung lautete: “For sipping champagne with officials” (“Wegen Champagnerschlürfens mit Funktionären”) auf dem Weg zum Wettkampf.

    Und haben wir nicht schon immer gewußt, daß sich Jugendliche, die nicht in sogenannten “geordneten” Verhältnissen aufwachsen können, in Banden organisieren und die Umgebung terrorisieren? Ein Beispiel aus der Tierwelt belegt diese Theorie: Sie gilt als die zur Zeit gefürchtetste Jugendbande von allen – die Elefanten-Jungbullenherde im Pilanesberg-Nationalpark in Südafrika. Zwanzig Nashörner haben die bösen Buben schon auf dem Gewissen, und wie regelunkonform sie sich verhalten, zeigt die Tatsache, daß einer dieser Bullen sogar einen Jäger zu Tode getrampelt hat, anstatt sich willig von ihm erschießen zu lassen. Anfang der 80er waren die Eltern der jetzigen Rüssel-Rocker im Krüger-Nationalpark abgeschossen und die Elefantenbabys in den Pilanesber-Park übergesiedelt worden, wo sie ohne die sozialen Bindungen einer normalen Herde aufwuchsen.

    Irren ist zwar menschlich, um aber alles als unanfechtbare Lexikonweis- und -wahrheiten verkaufen zu können, dürften zumindest keine Ungereimtheiten auftauchen, die die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Ob nun Johannes XXII. oder Johannes XXIII. der bedeutendste Papst während der “babylonischen Gefangenschaft” der Kirche in Avignon war, der nach seinem Tode die riesige Summe von 18 Millionen Gulden hinterließ, kann nur mit Hilfe eines anderen Lexikons ermittelt werden.

    Locker, leicht und amüsant sind die Texte von Joachim Heimannsberg aber allemal zu lesen, und die humorvollen Illustrationen von Michael Meier verlocken immer wieder zum Schmunzeln. Die hämisch grinsende Katze beispielsweise, die im Vorübergehen ihre elektrostatisch geladenen Haare an die Hosenbeine eines Menschen “klebt”, oder der Tatar, der genüßlich auf seinem dahingaloppierenden Pferd einen Teller Tatar verspeist, sind Gold wert.

    Wer die “Hobelspäne” der Lexikonarbeit lieber häppchenweise genießen möchte, der sollte die Finger von dieser Zweitverwertung lassen und sich den Tageskalender besorgen, der unter dem Titel “BROCKHAUS! Was so nicht im Lexikon steht” jedes Jahr erscheint.




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