(gj) Als Band 22 der Digitalen Bibliothek ist das als Print-Ausgabe 6-bändige Werk nun digitalisiert erschienen.
Dieses Lexikon gilt als eines der bekanntesten und populärsten für die Geschichte der Bildenden Künste, und wird diesem Anspruch sicher auch gerecht. Mit über 4.000 Abbildungen werden Werke aus 30.000 Jahren Menschheitsgeschichte vorgestellt.
Die CD-ROM ist von einer angenehmen Übersichtlichkeit. Neben dem Künstlerlexikon, das die recht ausführlichen Lebensläufe und Listen ausgewählter Arbeiten von über 1.500 Malern inklusive 1.000 Signaturen enthält, bietet es außerdem noch ein Sachwörterbuch zur Weltmalerei.
Über 1.000 Fachwörter werden teils kurz, teils auch in ausführlicheren Artikeln erklärt, die dort verwendeten Termini sind gleichzeitig als Sprungmarken zu ihren Definitionen eingerichtet.
Obwohl es oft angenehmer ist, ein Print-Medium in die Hand zu nehmen, sind die verwaltungstechnischen Vorteile, die hier geboten werden, doch nicht von der Hand zu weisen.
Beim Öffnen des Programms erscheint das Bildschirmfenster zweigeteilt (es kann jedoch in beide Richtungen verschoben werden). Auf der linken Hälfte befindet sich die Menüleiste, die rechte ist für den Text reserviert. Alles, was Sie im Inhaltsverzeichnis oder Register aktivieren, wird direkt angezeigt.
Sie haben die Möglichkeit einer Volltextsuche mit Platzhaltern und booleschen Operatoren, sowie einen Suchfilter, der den Suchbereich eingrenzt.
Ein gehöriges Maß an Kreativität brauchen Sie allerdings für die Themensuche. Dort können Sie eine ganze Reihe von Suchbegriffen eingeben, die Sie einem bestimmten Bereich zuordnen, und die im Lexikon enthalten sein können. Ihre Suchbegriffe können Sie abspeichern und gegebenenfalls immer weiter vervollständigen. Die Ergebnisse werden in Tabellenform und prozentual angegeben. Doch verlassen Sie sich nicht vorbehaltlos auf die 100%-Wertung eines bestimmten Texts: Ein Artikel mit einer schlechteren Wertung kann durchaus mehr der gesuchten Informationen enthalten.
Besonders hervorzuheben ist die Datenbank, die Sie unter dem Register Tabellen finden. Hier können Sie sich wichtige Angaben über Künstler (Geburts-, Sterbetage und -orte) und Werke (vom Entstehungsjahr, Verfahren, Größe – bis zum Namen des Museums oder der Galerie, in der es sich heute befindet, u.a.) sortieren lassen. Komfortabel: Ein Klick auf die jeweilige Spalte genügt.
Neben verschiedenen Markierungsstiften (alle markierten Textstellen finden Sie unter dem Register "Stellen" aufgelistet), gibt es noch den Mikrofichemodus (für Text) und einen einfachen Texteditor.
Gegenüber der gedruckten Ausgabe enthält die CD-ROM wesentlich mehr farbige Reproduktionen, die in sehr guter Qualität und verschiedenen Größen zu betrachten sind. Auf möglichst originalgetreue Farbwiedergabe wurde viel Wert gelegt, wobei Ihre Bildschirmkalibrierung bei der Darstellung natürlich auch einen gewichtigen Einfluß haben dürfte.
Wie den Text auch, können Sie die Bilder kopieren, bearbeiten und ausdrucken.
Trotz des Redaktionsstands von 1972 vermissen wir die größere Würdigung der moderneren Künstler, die zum Zeitpunkt des Erscheinens schon sehr bekannt waren. Roy Liechtenstein, Andy Warhol und Joseph Beuys etwa sind nur in Artikeln des Fachwortverzeichnisses erwähnt, wobei von Liechtenstein immerhin auch eine Abbildung vorhanden ist. Und Dali, ein doch äußerst bekannter und populärer Künstler, ist zwar mit einem ausführlichen Artikel, bildlich freilich nur mit dem Werk Brennende Giraffe vertreten. Hier hätte man sich eine etwas weniger schwerfällige Auswahl gewünscht.
Trotz dieser Einschränkungen handelt es sich aber insgesamt um eine gelungene und gut durchdachte Produktion. Eine Anschaffung, die sich schon allein wegen ihres Preises nicht nur im Fachbereich für Studierende und zum Recherchieren eignet. Auch der kunstinteressierte Laie wird mit Sicherheit seine Freude daran haben.
Auf der CD-ROM befinden sich eine 16-Bit- sowie eine 32-Bit-Version. Das Programm ist daher unter Windows 3.1, 3.11, 95, 98 und NT lauffähig.