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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Economy

    Zocker Staat


    (rt) Es gab Zeiten, da lag sich das halbe Abendland in der Wolle um die Streitfrage, ob denn das Glücksspiel des Teufels – und somit von der Obrigkeit zu ächten – sei, oder ob es sich dabei um ein vergleichsweise harmloses Vergnügen mit einem allerdings nicht unbeträchtlichen Abschöpfungspotential (Hauptnutznießer: natürlich wiederum die Obrigkeit) handele. Um Spielkasinos wurden ganze Kriege geführt (Beispiel: Bad Homburg), und die allgemeine Freigabe des Spielbankbesuchs diente einst den Nationalsozialisten als große Propagandanummer, mit der sie der Arbeiterschaft durch eine anti-aristokratische (und noch dazu sehr einträgliche …) Geste schmeicheln wollten.

    Bekanntlich hat sich die “liberale” Fraktion durchgesetzt, woran sicher nicht zuletzt die Finanzminister und Schatzmeister aller Systeme und Epochen fleißig mitgebosselt haben dürften. (Napoleon mußte übrigens einst sein ideologisch begründetes allgemeines Glücksspielverbot hurtigst wieder aufheben, als er sich plötzlich dem Schreckgespenst des Staatsbankrotts gegenübersah.)

    Die schier unermüdliche Pressestelle des Statistischen Bundesamts zu Wiesbaden (URL: http://www.statistik-bund.de) gibt in KW 25 als “Zahl der Woche” eine detaillierte Übersicht der “Spielfreude und Wettleidenschaft der Bundesbürger” zum besten. So sollen die Bundesländer in diesem Jahr schätzungsweise 7,3 Mrd DEM absahnen (1998: 7,2 Mrd DEM). Und wie der ganze Zaster in der Republik verteilt ist, wird daraus auch überdeutlich: Satte 6,8 Mrd Emmchen fließen nämlich in die Säckel der alten Bundesländer – das ehemalige Beitrittsgebiet, vulgo: “die neuen Länder” schauen mit 553 Mio DEM geradezu in die sprichwörtliche Röhre.

    Genauer aufgeschlüsselt, sieht es bei den Spielbank-Einnahmen nicht viel besser aus: Während die Casinos im (jetzt wieder O-Ton:) “früheren Bundesgebiet” geschätzte 1,3 Mrd DEM abführen dürften, hockt Ost- und Mitteldeutschland mit erwarteten 35 Mio DEM weit abgeschlagen auf dem Armesünderbänkchen.

    Fazit: Die Ossis sollten sich gefälligst was schämen! Anstatt es ihrem neuen Gesamtstaat gleichzutun und die Kohle zu verpulvern, wo es nur guttut (beispielsweise auf dem Balkan), scheinen sie verstockt auf ihren Sparstrümpfen zu hocken und dieserart ihre Unzufriedenheit mit den Verhältnissen an sich kundzutun. Was auch noch unsportlich, kulturbolschewistisch und asozial ist, wie das Bundesamt bescheinigt. Denn: “In der Regel werden die Gelder von den Ländern zur Förderung sportlicher, kultureller und sozialer Zwecke verwendet.” Was man sich unter diesem “in der Regel” genau vorzustellen hat, wird zwar nicht weiter erläutert, es darf aber gemutmaßt werden, daß die Betreuung jener Existenzen, die in Erfüllung ihrer patriotischen Pflicht Haus und Hof verzockt haben, von diesem Geldstrom eher marginal benetzt wird …



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