Fälschungssicherer Rinderpaß entwickelt
warum sollte es den Rindviechern auch besser
ergehen als ihren Endabnehmern?
(mp) Die Marke am Ohr oder gar das Brandmal auf der Flanke eines jeden Rindviechs gehören längst der Vergangenheit an. Erstens waren beide Merkmale vor Fälschern nicht sicher, und zweitens sollen wir doch nicht umsonst im Chip-Zeitalter leben.
Und ein fälschungsicherer Personal-Ausweis für Rinder ist zufälligerweise genau das, was sich der Fleischkonsument von heute bekanntlich schon immer gewünscht hat. Gibt es den, so wird uns versprochen, kann sich jeder Käufer selbst von der Qualität seines fürs Abendessen geplanten Steaks überzeugen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären nicht nur die Herkunft, der Geburtsort, der Stammbaum über mindestens vier Generationen und die Speise-, pardon: Mastkarte des zum Verzehr erworbenen Fleischbrockens sondern auch der zuständige Futtermittelproduzent zu eruieren. Was derzeit im Königreich Belgien seit Wochen versehentlich in aller Leute Magen und daher zwangsläufig wieder in aller Munde ist, mag freilich auch andernorts durchaus überlebenswichtig sein.
Jedes Rind verfüge über einen individuellen und unveränderbaren Fingerabdruck, sagen die Forscher der Berliner Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik. Dieses einzigartige Hautrillen- und Furchenmuster befinde sich zwischen den Nüstern des Tiers und könne schon beim neugeborenen Kalb aufgenommen und mittels hochmoderner Bildverarbeitung verwendet werden. Die Daten lassen sich sowohl auf einem Zentralcomputer als auch auf einem Chip speichern, der dem Tier dann unter die Haut gepflanzt wird.
Allein: Wer von uns kauft schon mal ein ganzes Rind? Mit Nüstern, Hautrillen, Furchen und allem Drum und Dran? Und im Ernst: Würden Sie es denn heute noch ungeprüft und leichtfertig glauben, daß das Rinderfilet oder gar das Hack wie verlockend es auch aussehen mag von einem Tier stammt, auf dessen Chip Informationen gespeichert waren, die einer Unbedenklichkeitserklärung des Gesundheitsministeriums entsprachen, auch wenn die Beteuerungen noch so betörend treuherzig über die Fleischtheke geraunt würden?
Abgesehen davon kann es nicht allzu lange dauern, bis die gewieften Schwindler die Stelle finden, wo die Viecher ihre Pässe zu tragen pflegen, um dann eben auch die Gaunerei geht schließlich mit der Zeit! als bovine Paßfälscher in Aktion treten. Eine kleine Streichung (oder besser: ein Löschvorgang) da, eine leichte Verbesserung dort, und schon haben wir mal wieder garantiert unbedenkliches Fleisch auf dem Teller, von dem es dann hinterher, nachdem die Chose aufgeflogen ist, mal wieder heißt, daß die Gesundheit der (mittlerweile vielleicht zum x-ten Mal unentwegt kotzenden) Bevölkerung zu keinem Augenblick in Gefahr gewesen sei. Das Ganze dazu dezent umkränzt vom dekorativen Rücktritt des dann zuständigen Gesundheitsministers, und schon heißt es unverblümt Gong frei zur nächsten Runde.
So oder so: Die Gelackmeierten sind selbstverständlich wir, die unbelehrbaren, gierigen, unkritischen, fleischfressenden Konsumenten. Die ja schon dankbar dafür sein müssen, daß man ihnen den Chip nicht gleich mit verfüttert