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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    BigBrother

    Das Projekt MKULTRA –
    illegale CIA-Forschungen in Sachen
    Verhaltensmodifikation
    Teil 3: Das Nachspiel



    (mp) Es liegt uns fern, Ihnen das Nachspiel vorzuenthalten, das die beiden Berichte der vom Senat eingesetzten einschlägigen Untersuchungskommissionen von 1975 und 1977 über das schändliche Tun der CIA folgerichtig und zwingendermaßen nach sich zogen. Schließlich wurde bei diesen Experimenten nicht nur die Menschenwürde sondern auch die in der amerikanischen Verfassung verankerten Menschenrechte vorsätzlich aufs Gröbste mißachtet und verletzt.

    Was geschah mit den Leuten, die die Fäden in der Hand hielten? Was geschah mit den Leuten, die sich diese Experimente ausgedacht hatten? Was geschah mit den Leuten, die die Experimente durchgeführt haben? Die große Preisfrage lautet schlicht und einfach: Wieviele Köpfe sind gerollt, nachdem die Dokumente an die Öffentlichkeit gelangt waren? Folgerichtig und richtig – kein einziger.

    Das kann freilich nur den erstaunen, der selbst nach zwei Folgen dieses haarsträubenden Berichts über die menschenverachtenden Experimente der CIA immer noch krampfhaft daran glauben möchte, daß der Staat seine einzige Daseinsberechtigung darin sehen würde, seine Bürger zu schützen.

    Gewiß: Ein Staat, der dem Bürger den Schutz verweigert, hat seine Existenzberechtigung verwirkt. Ein Staat aber, der seinen Bürger auch noch dazu zwingt, sich vor ihm (in all seiner Übermacht) zu schützen, gehört – wäre man denn, wie die USA, für die Todesstrafe – kurzerhand an die Wand gestellt.

    Was allerdings von den ernsthaften Versprechungen der werten Mitglieder des Untersuchungsausschusses zu halten ist, die da, selbst stellvertretend für den Staat, treuherzig versicherten, man werde alles daran setzen, die CIA-Opfer von damals ausfindig zu machen, um sie für das erlittene Unrecht und die körperlichen und seelischen Leiden zu entschädigen, mag folgendes Beispiel veranschaulichen:

    Stanley Glickman, ein amerikanischer Künstler, der in den 50er Jahren in Paris gelebt hatte, saß gerade mit einem Freund an einer Bar, als sich drei Unbekannte zu ihnen gesellten. Einer dieser Männer – passenderweise der mit dem Klumpfuß – offerierte ihm freundlich einen Drink, den er auch annahm. Das hätte er freilich lieber unterlassen sollen: Die starken Halluzinationen, die eine Hospitalisierung unumgänglich machten, seien aufgetreten, nachdem er das Glas erst zur Hälfte geleert hatte, lautete die spätere Aussage des Klägers, der in Folge von seiner Familie zur Behandlung in die Staaten zurückgeholt worden war, sein Leben lang aber nicht mehr vollständig genas.

    Daß die Anklage erst im Jahre 1983 erhoben wurde, hatte einen guten Grund: Wegen der Anhörungen vor dem Kongreß war Sidney Gottlieb durch die Medien einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht worden. Sidney Gottlieb hatte einen Klumpfuß. 1997 war Glickmans Klage vom US-Bezirksrichter Kimba Wood abgeschmettert, nach einem Revisionsurteil aber wieder aufgenommen worden. Den Vorsitz übernahm diesmal Richter Dominick DiCarlo.

    Die Tatsache, daß Richter DiCarlo nur knapp einen Monat vor Verhandlungsbeginn verstarb, verzögerte das Urteil um keinen einzigen Tag. Der frei gewordene Richterstuhl wurde umgehend neu besetzt, und zwar, – wer hätte das gedacht – von Kimba Wood. Nach sechzehnjähriger Prozeßdauer und 7-stündiger Beratung der Geschworenen wurde am 3. Mai 1999 das Urteil verlesen: Die Klage des 1992 verstorbenen Stanley Glickman wurde abgelehnt. Der Angeklagte Sidney Gottlieb, auch er inzwischen nicht mehr unter den Lebenden weilend, wurde post mortem für unschuldig erklärt. Ein Prozeß, der sich im wahrsten Sinne des Wortes totgelaufen hat.

    MKULTRA war ein Multimillionenprojekt der CIA, die im Bereich der Verhaltensforschung unter allen Interessierten – wie sie es wohl nennen würden – die Hauptarbeit geleistet haben. Daß auch die Army sowie die Navy ihren jeweils nicht unwesentlichen Beitrag zur Verbratung von Menschenrechten und Steuergeldern geleistet haben, mag dadurch belegt werden, daß die Army zwischen 1945 und den Mitsechzigern USD 15,7 Millionen für ähnliche Projekte – “psychologische Studien” genannt – verpulverte.

    Als offizielles Ende von MKULTRA wird noch 1977 von Admiral Turner, dem damaligen CIA-Direktor, das Jahr 1964 genannt, was in Anbetracht der Tatsache, daß allein in den aufgefundenen Unterlagen über MKNAOMI, MKSEARCH und MKDELTA Jahreszahlen bis 1974 auftauchen, nicht nur als äußerst fragwürdig zu bezeichnen ist. Von bewußter Irreführung der Öffentlichkeit und Falschaussage zu sprechen, wäre wohl angebrachter. (Vergleichen Sie dazu bitte auch $ Teil 1).

    Auf eine gezielte Frage des Ausschußmitglieds Senator Edward M. Kennedy, Massachusetts, räumte Turner 1977 zwar ein, daß die CIA nach wie vor großes Interesse sowohl an Verhaltensstudien als auch an Informationen über Drogen und Drogengebrauch in anderen Ländern habe. Selbstverständlich werde auch weiterhin an der Verbesserung der Polygraphen gearbeitet, um Lügner entlarven zu können. Bei allen diesen Tätigkeiten gehe es aber allein um die wissenschaftliche Erkenntnis des Ist-Zustandes eines Menschen in verschiedenen Situationen und nicht um seine Modifikation. (Was sich von derlei amtlich bestallten Kurpfuschern so alles in die Begriffe “wissenschaftliche Psychologiestudien” und “verschiedene Situationen” quetschen läßt, ist uns ja inzwischen aus $ Teil 2 hinreichend bekannt.)

    Für wie glaubwürdig die Beteuerungen Turners zu halten sind – der die MKULTRA-Aktivitäten übrigens angewidert, wie billig, als “abscheulich” bezeichnete – daß unter seiner Leitung Untaten wie Dorgenexperimente oder Hirnoperationen an Menschen ausgeschlossen seien, da er adäquate Schritte dagegen unternommen habe und damit auch nicht nachlasse, und er sich abgesehen davon auf seine Führungsqualitäten verlassen könne, mag der Leser für sich entscheiden.

    Was aus den 70er bis in die 90er Jahre hingegen belegt ist, ist das enorme Interesse staatlicher Instanzen an Parapsychologie. Allein vom Verteidigungsministerium wurden in diesem Zeitraum USD 20 Millionen in die Hellseherei gesteckt. Die CIA beschäftigte sich zwar auch eingehend mit Telekinese, vor allem aber mit der Hellseherei. Nach den ersten “erfolgreichen” Test (durchgeführt im Stanford Research Institute SRI) in Kalifornien wurden die Studien bis 1975 ausgebaut, als die CIA-Verantwortlichen unter dem schweren Feuer der Watergate-Affäre das Projekt RV (Remote Viewing) für kurze Zeit als zu heikel (“too sensitive and potentially embarrassing”) einstuften, um es noch allzu intensiv weiterzuverfolgen. Die Entscheidung mag ihnen nicht besonders schwer gefallen sein: Zu eben dieser Zeit war nämlich zum allgemeinen großen Bedauern der CIA bestes Medium, Pat Price, verstorben. Ganze 29% seiner übersinnlich empfangenen Informationen konnten bestätigt werden. Der begabte Seher hatte es also wundersamerweise fertig gebracht, bei über Zweidritteln seiner Aussagen falsch zu liegen. Bemerkenswert, vor allem in Anbetracht der damit verbundenen Kosten.

    Und wiederum waren es die bösen Russen, die den Vorwand zu liefern hatten, die Maschinerie in Gang zu halten. Im November 1976 zeigte sich der damalige CIA-Direktor George Bush äußerst beunruhigt über Gerüchte, denen zufolge die Sowjetunion massive Fortschritte auf dem Gebiet der Parapsychologie gemacht hatte. Er berief ein Treffen mit den RV-Experten ein, worauf verteidigungshalber angemessen auf die Bedrohung reagiert werden mußte. Der außersensorischen Wahrnehmung (ESP – “extra-sensory perception”) und ihrer Förderung wurde wieder der ihr zustehende Status mit den dazugehörenden Mitteln vom OTS (Office of Technical Service) eingeräumt. Auch Präsident Jimmy Carter räumte später ein, daß die Regierung unter seiner Ägide die RV-Truppe genutzt habe, beispielsweise um ein abgestürztes Spionageflugzeug zu suchen.

    Daß all die MKULTRA-Bemühungen, sich die sogenannte totale Kontrolle über jeden einzelnen Menschen zu erarbeiten, doch weitgehend vergeblich waren oder zumindest nicht als ausreichend erachtet wurden, zeigt nicht nur die Tatsache, daß wir überhaupt etwas davon erfahren haben. Wer heutzutage die Nachrichten über die weltweiten Überwachungstätigkeiten aufmerksam verfolgt, kommt nicht umhin zu bemerken, was sich da in Sachen Bespitzelung technisch so alles tut. An dem Überwachungsnetz wird ja auch nicht erst seit gestern gearbeitet, und geheime Abkommen gibt es schon seit Jahrzehnten. England hat sich 1947 – nach seinen offensichtlich positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der CIA während des 2. Weltkriegs – zu einer engeren Zusammenarbeit mit den USA entschlossen. Die UKUSA-Vereinbarung wurde, was erst im März 1999 bekannt wurde, von 3 weiteren Staaten als sogenannte “Second Parties” unterschrieben: von Australien, Neuseeland und Kanada.

    Weltweit gibt es inzwischen mindestens 30 Nationen, die beachtliche Comint- (Communications intelligence) oder Sigint- (Signals Intelligence) Organisationen unterhalten. Die Größte soll die russische FAPSI mit 54.000 Angestellten sein. China betreibt in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zwei gegen Rußland gerichtete Stationen. Das sind zumindest die bisher bekannt gewordenen Faktoren. Die meisten Staaten des Nahen und Mittleren Ostens sowie Asiens haben substantiell in Sigint investiert. Selbstverständlich, daß da auch Israel, Indien sowie Pakistan die Nasen weit vorn haben.

    Global werden jährlich um die 15 bis 20 Billionen Euro für Comint und ähnliche Aktivitäten ausgegeben. Sei es per U-Boot und Unterwasserkabel oder per Satellit: Von überall her wird überall gespitzelt. Momentan sind es 120 Satellitensysteme, die fleißig Informationen über einzelne Individuen, Regierungen, kleine und große Firmen und internationale Organisationen sammeln. Der Löwenanteil der selbst von betuchteren Erdbewohner nur als gigantisch zu bezeichnenden Ausgaben geht auf das Konto der englischsprachigen UKUSA-Allianz.

    Unter dem Vorwand, gegen feindlich gesinnte Nationen, gegen die organisierte Kriminalität, gegen illegale Einwanderer und gegen Kinderpornografie vorgehen zu müssen, wurde das Bespitzelungsnetz über den ganzen Erdball gespannt. Aber wer annimmt, die Überwachungsstruktur sei deshalb nicht verbesserungsfähig, der irrt. Vor allem am Ausbau der Feinmaschigkeit wird zur Zeit intensiv gearbeitet. Jeder muß immer und überall beobachtet werden können. Um der Bevölkerung die wahllosen Telefonabhöraktionen der Polizei plausibel zu machen, spricht man in Österreich beispielsweise von “vorbeugender Gefahrenerforschung”. Und unter dieser Prämisse ist selbstverständlich noch viel mehr möglich.

    Wie steht es beispielsweise um Ihre nähere Umgebung? Wieviele Video-Überwachungskameras passieren Sie auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkauf? Linst bei Ihnen etwa schon ein elektronisches Auge durch das Badezimmerfenster, um Sie beim eventuellen Hantieren mit Chemikalien wie Rasierschaum und Aftershave in flagranti erwischen zu können? Schnüffelt sich eine elektronische Nase durch ihre Klimaanlage oder durch den Dampfabzug der Küche, um Sie beim Mischen gefährlicher Substanzen wie Hühnerbrühe und Sahne zu ertappen? Das alles und noch vieles mehr ist unumgänglich, wollen wir uns denn vor den Gefahren schützen, die da unaufhaltsam auf uns zukommen, wie uns jedenfalls mit nicht nachlassender Penetranz weisgemacht werden soll.

    Die ersten Warnungen kamen aus den Vereinigten Staaten, woher auch sonst: Die neueste große Gefahr, die uns jetzt überall auflauert, heißt Bioterrorismus. Inzwischen beschäftigen sich immer mehr staatliche Instanzen nicht nur mit der Produktion biologischer Waffen sondern selbstredend auch mit der möglichen Abwehr derselben. In den USA gibt es sogar schon “Bioterrorismus-Experten”, und die sind sich ganz, ganz sicher, daß die gebetsmühlenhaft behauptete Bedrohung kein Hirngespinst einiger weniger Panikmacher ist. So jedenfalls lautete das Fazit der ersten nicht-militärischen, also öffentlichen Veranstaltung zu diesem Thema. Das nationale Symposium “Medical and Public Health Response to Bioterrorism”, gesponsert vom Johns Hopkins Zentrum für zivile biologische Verteidigungsstudien (Center for Civilian Biodefense Studies), dem Gesundheitsministerium (HHS – Department of Health and Human Services), der Amerikanischen Gesellschaft für Infektiöse Krankheiten (Infectious Diseases Society of America) und der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie (American Society for Microbiology), fand Mitte Februar dieses Jahres statt, und machte mit vielerlei Studien und Statistiken deutlich, daß die Zeit zum Handeln gekommen sei.

    Laut Jason Pate vom Monterey Institut für Internationale Studien hat das FBI schon 1997 einundsiebzig Fälle chemischer oder biologischer Anschläge untersucht. 1998 waren es 146, und 100 weitere Untersuchungen sind seit Anfang des Jahres im Gange. Das eifrig auch von Militärkreisen geschürte öffentliche Interesse (vor allem an Anthrax-Sporen und Pockenviren) rief freilich auch eine ganze Reihe von Schwindlern auf den Plan. 1998 bearbeiteten die FBI-Fachleute fast 200 Anthrax-Falschmeldungen. Die permanent informierte (man könnte auch formulieren: “berieselte”) Öffentlichkeit ist jedoch von fundamentaler Wichtigkeit. “Wir haben erkannt, daß ein bißchen Hysterie eine gute Sache sein kann”, sagte Kyle B. Olson, ein ehemaliger britischer Marine-Nachrichtendienstexperte, der am Symposium als unabhängiger Berater auftrat.

    Allein das Gesundheitsministerium der USA wird in diesem Jahr USD 158 Millionen einsetzen, um sich gegen Bioterrorismus vorzubereiten und zu wappnen. Präsident Clinton wird für eine Aufstockung im Jahr 2000 um weitere USD 72 Millionen plädieren. Ein Frühwarnsystem, dessen Erforschung den Großteil der Gelder verschlingen wird, ist unabdingbar, um die Überlebenschancen der Menschen zu erhöhen. Es sei keine Panik angesagt, aber man müsse sich vorsehen. Daß dazu auch geeignete und vor allem genügend Impfstoffe vorhanden sein müßten, ist selbstverständlich.

    Gegen Anthrax, das relativ leicht verfügbar ist, wurde schon 1970 ein Impfstoff entwickelt, der heute von der Firma Bioport Corporation produziert wird. Die Wirkung läßt allerdings noch zu wünschen übrig, weshalb intensiv an einem verbesserten Impfschutz geforscht wird. Experten rechnen jedoch mit jahrelangen Forschungsbemühungen. Das für 80% der Infizierten tödliche Anthrax gelangt über die Atemwege in den Körper; es ist also nicht von einem Menschen auf den anderen übertragbar und eignet sich deshalb besonders gut für gezielte Anschläge.

    Gegen die Pocken, die extrem ansteckend sind und die schon lange als beinahe ausgerottet gelten, gibt es zwar einen Impfschutz. Der gegenwärtige Mangel an verfügbarem Impfstoff wird aber als akut bezeichnet. Die USA halten einen Vorrat von weniger als 7 Millionen Dosen, was bei weitem nicht ausreicht, um die ganze Bevölkerung vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu kommt, daß der Impfstoff nur beschränkt haltbar ist und nicht genügend Anti-Serum für Forschungen und klinische Tests zur Verfügung steht. “Wir brauchen so schnell wie möglich einen neuen Pockenimpfschutz, und wenn diese Nation sonst gar nichts unternehmen sollte, um die Gesundheit der Menschen zu schützen”, beklagt sich Michael T. Osterholm, Direktor der epidemiologischen Abteilung des Gesundheitsministeriums Minnesota. “Ein bißchen Hysterie” – das läßt sich schon einrichten, wie man sieht.

    Die notwendige Forschung mag einer der Gründe sein, weshalb sich Präsident Bill Clinton weigert, den letzten Vorrat des tödlichen Pockenvirus vernichten zu lassen. Forschen läßt's sich nun mal nur an Substanzen, die noch vorhanden sind. Ein zweiter Grund ist der, daß trotz Interventionen von Seiten der WHO, die erneut an den vereinbarten Termin zur Zerstörung der Viren im Juni erinnerte, auch Rußland noch einen Vorrat zurückbehält. Offiziell sind diese zwei Nationen die einzigen Pockenviren-Besitzer. Aber wenn man bedenkt, wie es um die Sicherheit in Rußland bestellt ist, muß natürliche aus westlicher Sicht das Schlimmste befürchtet werden. Und so greift man denn wieder auf die altbekannte Formel vom Gleichgewicht des Schreckens zurück, denn auch drohen kann man wirkungsvoll nur mit Substanzen, die noch vorhanden sind.

    Hier haben wir sie wieder, die Bösewichter, die all die Gegen- und Abwehrmaßnahmen unumgänglich machen. “Wie aus gut unterrichteter Quelle zu erfahren war, vermuten Bioterrorismusexperten seit mehreren Monaten, daß das Virus in Rußland nicht nur in den öffentlich bekannten Laboratorien vorhanden ist, sondern auch an Orten, wo die Sicherheitskontrollen vielleicht nicht so streng sind.” Gleichermaßen ist auch allseits bekannt, daß die Russen 20 Jahre und zigmilliarden Rubel in Biopräparate investiert haben, womit sie den Amerikanern wahrscheinlich fast das Wasser reichen könnten, selbst wenn hier in Dollar gerechnet wird. Denn auch in Amerika laufen die Forschungen auf dem Sektor Biotechnologie auf Hochtouren. (Was dabei gewissermaßen als militärisches Abfallprodukt auch einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht wird, lesen Sie in $ Hochgeschwindigkeitsevolution.)

    Daß das Gesundheitswesen eines jeden Staats bei einem größeren Bioterror-Attentat völlig überfordert wäre, zeigen die Szenarien, die der Bevölkerung da minutiös ausgemalt werden. Im Baltimore-Test beispielsweise, bei dem davon ausgegangen wurde, daß von Terroristen in einer Aula das Pockenvirus freigesetzt würde, zeigte sich das Ausmaß der Katastrophe, das übrigens nicht allein auf den Mangel an Impfstoffen zurückzuführen wäre: Bis die Ärzte mit ihrer Diagnose richtig lägen und Quarantäne verhängten, verteilten die Patienten hustend das tödliche Virus schon über den ganzen Globus.

    “Würden 100 Kilogramm Anthrax-Sporen in der Gegend von Washington D.C. in die Luft gesprüht, gäbe es schätzungsweise zwischen 130.000 und 3 Millionen Tote, was der Wirkung einer Wasserstoffbombe entspricht” – so präzise wurde die Anthrax-Bedrohung schon 1993 in einem Kongreßbericht dargelegt.

    Hilflos, wie wir alle diesen Gefahren gegenüberstehen, kann uns nur noch mit einem Mittel geholfen werden. Die “vorbeugende Gefahrenerforschung” wird überlebenswichtig, und aus diesem Grund kann natürlich auch keiner mehr etwas gegen die Überwachung (rund um die Uhr) eines jedes einzelnen potentiellen Terroristen haben. Selbstverständlich gehören wir alle auch zu den Überwachenden, aber wir haben doch wohl nichts zu verbergen, oder?

    Auf den Bioterrorismus, die damit verbundene Panikmache und natürlich auf die Konsequenzen, die sich unvermeidlich daraus zu ergeben scheinen, werden wir an anderer Stelle noch ausführlicher eingehen.


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