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    Security

    Steganographie-Software: der Kryptotrend der Zukunft

    (aus: Ausg. 02/96)

    Zur Verschlüsselung von Daten und Mitteilungen, um sie unbefugten Augen unzugänglich zu machen, gibt es eine Vielzahl von Techniken und Verfahren. Die besten dieser Maßnahmen waren noch vor kurzem allein den Nachrichtendiensten und dem Militär vorbehalten. Inzwischen haben private Entwickler aber nicht geschlafen sondern die Weiterentwicklung von Verschlüsselungsalgorithmen in bis dahin ungeahnte Effizienzbereiche vorangetrieben. Grundsätzlich dürfte zwar jede Kodierung mit entsprechendem Aufwand früher oder später zu knacken sein – ob der mathematische Nachweis für das Gegenteil bereits erbracht ist oder nicht, gilt selbst in der Fachwelt als umstritten.

    Aber es kommt doch eben auf den Aufwand an: Wenn erst (theoretisch betrachtet) Millionen von Rechnern Millionen von Jahren damit beschäftigt werden müssen, um eine kurze, effizient verschlüsselte Nachricht zu entziffern, stößt jeder Überwachungsstaat an seine physischen Grenzen. Denn so ungeheuer großzügig Regierungen auch mit den Steuergroschen ihrer Bürger umzugehen verstehen, müssen doch selbst diese letztlich die Kirche irgendwann im Dorf lassen. So kann ein derart ungeheurer Dechiffrieraufwand nur im Ausnahmefall betrieben werden. Und so schützt sich die Administration, wie immer, vor allem durch Verbote. So ist in Frankreich beispielsweise schon seit längerem jeder chiffrierte Datenaustausch zwischen Privatpersonen verboten.

    wird sich in Zukunft immer wieder dieser Thematik widmen, an dieser Stelle soll als erster Einstieg ein Teilbereich der Kryptographie heraus- gegriffen werden, die sogenannten “steganographischen Verfahren”.

    Kurz gesagt handelt es sich bei der Steganographie um eine Verschleierungstechnik. Wenn Sie beispielsweise ein wichtiges Schriftdokument dadurch verstecken, daß Sie es unter einen Haufen unwichtiger Papiere mischen, wo es nicht weiter auffallen soll, ist das bereits steganographisch gedacht. Auch Geheimtinten und Tarnmaßnahmen gehören dazu.

    Üblicherweise werden Sie nicht einfach ein leeres Blatt verschicken, das Sie mit einer Geheimschrift versehen haben, sondern werden irgendeinen belanglosen Brief als Trägermedium verwenden. Nur der Empfänger soll anhand von vorher vereinbarten Markierungen (beispielsweise eine besondere Grußformel, ein scheinbarer Tippfehler, o. ä.) überhaupt erkennen, daß sich hinter dem Schreiben noch mehr verbirgt.

    Versteht sich von selbst, daß die solcherart versteckte Nachricht wiederum kodiert werden kann. Das macht es dem etwaigen Schnüffler noch schwerer, an den Inhalt zu gelangen, vor allem dann, wenn Sie diesen wiederum unter einen Haufen sinnlosen Müll mischen. Per Hand ist dieses Verfahren allerdings außerordentlich mühselig.

    Eine zeitunaufwendigere Variante dieser Vorgehensweise bietet dafür das Programm S-Tools des englischen Programmierers Andy Brown. Es läuft unter Windows, beherrscht eine ganze Reihe von hocheffizienten Verschlüsselungsalgorithmen, und was das Beste daran ist – Nachrichten können (in verschlüsselter wie unverschlüsselter Form) sowohl in Grafikdateien (Formate: BMP und GIF), auf dem normalerweise ungenutzten Speicherplatz von Disketten und Festplatten sowie in Klangdateien (Format: WAV) versteckt werden. Ohne hier auf die technischen Einzelheiten eingehen zu können, möchten wir dieses Programm doch jedem ans Herz legen, der seinen Datenaustausch sicherer gestalten will.

    Falls Sie Internet-Zugang haben sollten, brauchen Sie und Ihr Korrespondenzpartner nicht einmal “offiziell” elektronische Nachrichten auszutauschen, sofern Sie sich entsprechend verabreden. Schließlich gibt es genügend Newsgroups, in denen User Grafik- und Klangdateien einstellen, die von jedem Interessierten heruntergeladen werden können. Je nach Ausgangsmaterial arbeitet S-Tools so vorzüglich, daß beispielsweise bei Grafikdateien so gut wie kein merklicher Qualitätsverlust zu verzeichnen ist. Wer das vorher vereinbarte Paßwort nicht kennt, wird nicht einmal davon erfahren, daß die fragliche Datei überhaupt eine verschlüsselte Nachricht enthält!

    weiß von Anwendern, die sich die gängige Anti-Porno-Hysterie im Internet zunutze machen, indem sie Sexfotos frecherdings mit kodierten Nachrichten “impfen”, um sie dann in die entsprechenden Newsgroups zu laden. Dort kann der eigentliche Empfänger sie dann in der Gewißheit abrufen, daß das Trägermedium schon ausreichenden Ablenkungswert aufweisen dürfte, um gar nicht erst den Verdacht aufkeimen zu lassen, daß es sich hierbei auch noch um ein außerordentlich effizientes Medium der Kryptographie handeln könnte.

    Das Programm S-Tools ist Shareware – jedenfalls “so ungefähr”, wie der Autor vermerkt: Zwar wünscht er sich durchaus, daß man es bei ihm registrieren möge, wofür er sehr bescheidene GBP 15 verlangt, doch äußert er andererseits auch volles Verständnis dafür, falls man schon aus Diskretionsgründen lieber darauf verzichten möchte. Sollten Sie an dem Programm interessiert sein, können Sie es gegen Einsendung eines 20-Mark-Scheins an die Redaktion bei uns abrufen. Dies ist eine reine Schutzgebühr; Gewährleistung für Lauffähigkeit des Programms auf Ihrem spezifischen Computersystem kann leider nicht übernommen werden.


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