CoolTips
Cooler Reisen
(mp) Es gibt keine Reise, die einem nicht von kleinkarierten Beamten vergällt werden könnte. Knöpfen wir uns doch mal die Zollbeamten an den Flughäfen vor. Wonach suchen sie eigentlich? Nach Bomben? Nach Drogen? Nach Diebesgut? Was auch immer sie zu finden trachten, sie tun es ausgesprochen unfreundlich.
Es ist doch eigentlich kaum vorstellbar, daß es Menschen gibt, die sich gern wie Vieh auf dem Weg zur Schlachtbank in Reihen aufstellen lassen, um dann, wenn ihre Zeit gekommen ist, ihren Paß vorzeigen zu müssen, sich ausfragen und ihr Gepäck durchwühlen zu lassen. Und dennoch tragen die meisten Fluggäste selbst dann noch ein anbiederndes Lächeln (Sie tun ja nur Ihre Pflicht.) auf dem Gesicht, wenn sie von einem uniformierten Niemand zur Leibesvisitation in den Nebenraum geleitet werden.
Selbsterniedrigung wurde noch in keiner wissenschaftlich ernstzunehmenden Studie mit der Stärkung des Selbstwertgefühls in Verbindung gebracht, was doch vielleicht nahelegen könnte, daß dieses devote Auftreten nicht nur unzweifelhaft fehl am Platz ist, sondern unter Umständen zu schweren psychischen Schäden führen kann, vor denen unsere CoolTips Sie jedoch bewahren werden. Mit Sicherheit aber fühlen Sie sich nach einer solchen Flughafentortur besser als jedes andere Mitglied der Herde, zu der auch Sie früher gehörten, sofern Sie nur unsere folgenden sechs Regeln beherzigen.
Regel 1
Unterlassen Sie jeden auch noch so vage angedeuteten Bückling. Bleiben Sie aufrecht stehen und blicken Sie dem Beamten direkt in die Augen. Ein Lächeln ist unter allen Umständen zu vermeiden! Ihr Auftreten sollte also keinesfalls dem eines Kindes gleichen, das befürchtet, wegen irgendeines Fehlverhaltens gescholten zu werden. Viel eher sollten Sie den Eindruck eines Wissenschaftlers erwecken, der ein zwar bekanntes, aber äußerst unattraktives Insekt betrachtet.
Regel 2
Geben Sie niemals mehr Informationen preis, als unbedingt erforderlich ist! Auf eine Frage des Beamten gibt es im Idealfall nur zwei mögliche, einsilbige Antworten: Entweder ein klares Ja oder ein nicht weniger eindeutiges Nein. Der Smalltalk kann getrost dem Rest der Herde überlassen werden. Falls sich der Zöllner als extrem wißbegierig erweist, erkundigen Sie sich in ruhigem, sachlichem und geschäftsmäßigem Ton nach dem genauen Grund seiner Frage. Sofern Sie eine unbefriedigende oder gar schroffe Antwort erhalten, lassen Sie sich die schriftlichen Anweisungen zeigen, die dem Beamten diese spezielle Frage erlaubt. Verlieren Sie dabei niemals die Ruhe: Bleiben Sie cool! Es sind ja nicht Sie, die nach Schwierigkeiten suchen. Sie möchten lediglich Ihre Integrität bewahren und eine höfliche Antwort auf eine legitime und freundlich gestellte (oder nur so zu stellende!) Frage bekommen.
Regel 3
Vermeiden Sie sowohl Lügen als auch Aussagen, die Sie später eventuell korrigieren oder zurücknehmen müssen, denn das gäbe dem kleinen Beamten vor Ihnen einen guten Grund, in die Offensive zu gehen. Um die Nase oben behalten zu können, ist es dringend erforderlich, die Moral immer auf der eigenen Seite zu haben.
Regel 4
Falls das Benehmen des Zöllners Ihnen zu impertinent ist, verlangen Sie dessen Vorgesetzten zu sprechen, mit dem Sie ebenfalls ruhig, professionell und höflich umgehen werden, denn Sie sind ein besorgter Weltbürger, der nichts weiteres möchte, als daß alles korrekt nach den vorgegebenen Regeln und Vorschriften durchgeführt wird. Selbstverständlich können Sie sich auch nach dem Namen des frechen Lackaffen und dessen Chef erkundigen, um sich später brieflich zu beschweren. In den seltensten Fällen werden Sie die Namen erhalten, aber eins können wir Ihnen dennoch versprechen: Sie haben dem süffisanten Beamten gründlich den Tag versaut.
Regel 5
Zu verbalen Auseinandersetzungen ist nicht zu raten, wenn Sie sich in einem fremden Land befinden, dessen Sprache Sie nicht oder nur bruchstückweise verstehen oder sprechen. Gehören Sie beispielsweise nicht zu den etwa 1,5 Milliarden Menschen, die des Chinesischen mächtig sind, wird es Ihnen wenig nützen, wenn Sie neiiin in verschiedenen Tonhöhen von sich geben. Die hochnäsige für den Beamten erniedrigende Mimik der Langnasen wird hingegen auch in Peking verstanden.
Regel 6
Nachdem Sie das ganze Procedere hinter sich gebracht haben, werden Sie in der Regel in welcher Sprache auch immer ein Danke zu hören bekommen. Ihre Antwort sollte in keinem Fall Ich danke Ihnen!, Bitte, gern geschehen! oder ähnlich hündisch lauten, außer Sie gehören zu der Gattung Menschen, die sich sogar bei einem Straßenräuber noch bedanken, nachdem sie ausgeplündert wurden. In diesem Fall: Vergessen Sie unsere Ratschläge, denn Sie werden ohnehin niemals fähig sein sie zu befolgen. Ansonsten bedenken Sie, daß soeben Ihre Privatsphäre verletzt wurde und die Situation unter Umständen in einen Albtraum hätte ausarten können. Blicken Sie also den Beamten ohne die Lippen zu einem Lächeln zu verziehen ruhig an denken Sie an das obengenannte Insekt , und gehen Sie. Falls der geschniegelte Plagegeist die Unverschämtheit besitzt, hinter Ihnen herzurufen, er habe Danke gesagt, blicken Sie kurz über die Schulter zurück und antworten Sie, ohne Ihren Gang zu unterbrechen: Ich habe es zur Kenntnis genommen.
Klingt doch alles gar nicht so schwierig, oder? Und doch werden Sie die Erfahrung machen, daß das Ablegen alter Gewohnheiten einiges an Charakterstärke erfordert. Aber mit etwas Übung im Umgang mit diesen selbstherrlichen Privatsphärenschnüfflern werden Sie mit denselben genießerisch nur noch so verfahren, wie sie es verdienen. Würden die Zöllner von allen Grenzgängern so behandelt, wer weiß, vielleicht kämen sie gar auf die Idee, sich einen horribile dictu anständigen Job zu suchen. Wie auch immer, unsere Empfehlungen zielen schließlich nur auf Ihr Wohlbefinden ab, und nicht auf das der jämmerlichen Büttel.
Der Vollständigkeit halber sei hier doch noch erwähnt, daß es sie geben soll, die Ausnahme. Sollten Sie also tatsächlich irgendwo auf dieser Welt irgendwann in Ihrem Leben auf diesen einen exzeptionellen Sonderfall, den rechtschaffenen, freundlichen, rücksichtsvollen, zuvorkommenden und ehrlichen Zöllner treffen, geraten Sie nicht gleich aus dem Häuschen, sondern bleiben Sie cool. Sprechen Sie ihn darauf an: Sie scheinen ja ein richtig anständiger Kerl zu sein. Was tun Sie überhaupt hier? Seien Sie nicht erstaunt über die zögerliche, etwas hilflos und depressiv klingende Antwort, die Sie bekommen werden: Ich weiß es nicht, ich denke, ich muß hier raus.
In den letzten zwölf Ausgaben unserer CoolTips haben Sie sage und schreibe über 200 wertvolle Ratschläge erhalten, was Sie tun können, um Körper, Geist, Seele und Haushalt sauber, rein und intakt zu halten. Nun ist es an der Zeit, sich mit einigen Dingen zu beschäftigen, die Sie nicht tun sollten. Wir werden Sie vor einigen Fehlern zu bewahren suchen, die im schlimmsten Fall nicht nur Gesundheit oder Haushalt schädigen, sondern sogar tödlich ausgehen könnten.
In unserer nächsten Ausgabe werden wir Ihnen genau erklären, was Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie nicht wollen, daß Ihnen wildgewordenen Kaffee- oder Obstdosen um die Ohren fliegen.
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