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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Sportives

    Muskelpakete ohne Schweiß


    (mp) Die Erfindung der Schulterpolster hat ja schon das Ihre dazu getan, auch wenn es anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit ist, diese raffinierten Schaumgummi-Kissen so zu befestigen, daß sie nicht dauernd verrutschen und man dann eher dem Glöckner von Notre-Dame als Tarzan ähnelt. Einen viel schwerer wiegenden Fehler haben sie aber immer. Spätestens beim Blick in den Spiegel – vor oder nach dem Duschen – bleibt der Schock nicht aus: über den Spargel nämlich, der einem da so unbarmherzig und manchmal sogar etwas hämisch entgegengrinst.

    Man möchte ja nicht unbedingt aussehen wie Noldi, aber hier und da ein bißchen mehr, warum nicht? Wenn da nur nicht diese Plackerei wäre. Das Fitneß-Studio fällt eh weg. Da kann man sich erst wieder zeigen, wenn man schon ein beträchtliches Muskelvolumen aufzuweisen hat, weil einem sonst die mitleidigen und demütigenden Blicke der Adonisse, die da auffallend geschäftig mit stolzgeschwellter Brust und stählernem Körperbau durch die Hallen wandeln, die mühsam aufgebaute Motivation in Sekundenbruchteilen zunichte machen.

    Gegen den Home-Trainer spricht auch einiges, sonst stünde dieses Ding, das man sich selbst vor fünf Jahren – großzügig und voller guter Vorsätze, wie man nun mal ist – zu Weihnachten geschenkt hatte, nicht still vor sich hinrostend unten im Keller.

    Maus müßte man sein und in den Versuchsställen der Universität von Pensylvania wohnen. Da bekommt man Muskeln (schweizerdeutsche Umgangssprache: Mäuse!) verpaßt, während man sich als Couch-Potato ausgiebigst dem Nichtstun widmet. Altersschwache Mäuse verzeichnen nach der Behandlung einen Muskelzuwachs von sage und schreibe dreißig Prozent. Sie bekommen sozusagen erneut die Möglichkeit, sich in jugendlicher Frische den verlockenden duftenden Käse trotz Katzenbewachung zu ergattern. Aber auch die jungen Mäuse werden um immerhin 15-18% stärker.

    Normalerweise senden Muskelzellen, die gestreßt werden – was unweigerlich bei körperlicher Anstrengung geschieht – einen chemischen Hilferuf aus, der schließlich zur Bildung von weiteren Muskelzellen führt. Das “Stimmvolumen” der Zellen nimmt aber im Alter ab. Bildlich: Der Hilferuf ist zu leise, um gehört zu werden.

    Die Muskelzellen bekommen im Labor nun nicht etwa ein Megaphon, nein, es wird ihnen mit einer simplen Genspritze geholfen, ob sie gerufen haben oder nicht.

    In etwa zwei Jahren hoffen die Forscher, so weit zu sein, auch Menschen die Bauanleitung für den Wachstumsfaktor IGF1 spritzen zu können. O-Ton aus dem Labor: “Die neuartige Genfähre wird sich durchsetzen, weil sie vom Immunsystem nicht abgefangen wird”, so die stolzen Entwickler, “und wenn die Muskeln beim ersten Mal nicht anwachsen, kann die Dosis unbesorgt erhöht werden”. Aha, es darf also ruhig noch ein bißchen mehr sein! Noch eine, zwei, drei oder vielleicht vier Spritzen gefällig?

    Man bringt durchaus Verständnis auf für all die 20-, 30- und 40-Jährigen, die gern etwas kräftiger wären. Nicht zuletzt denkt man da an die Sportler, denen hier so unverhohlen das perfekte Doping präsentiert wird: “Wenn wir's richtig machen, läßt sich nichts im Blut nachweisen!”

    Die erklärten Primärzielgruppen sind aber die kranken und die alten Menschen. Das Bild vom zittrigen, altersschwachen Greis würde langsam aber sicher verblassen. Rüstige Rentner würden mit jungen Männern darum buhlen, der hübschen Nachbarin den Kasten Mineralwasser drei Stockwerke die Treppe hinauf zu tragen. Und auch sonst wären sie bis zu ihrem Tod für die Allgemeinheit einzusetzen (auszunutzen), zum Beispiel als Möbelpacker oder Bauarbeiter. Schließlich waren die antiken Vorläufer des heutigen Athleten-Ideals nicht etwa die verweichlichten Geldsäcke des blühenden Athen sondern vielmehr ihre Sklaven.

    Wenn das keine rosigen Aussichten sind …

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