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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Recht

    Milliardäre ohrfeigen zum Bettlertarif!


    (mp) Wie kann sich der einfache Mann gegen die Mächtigen dieser Erde wehren, die ihn immer unverhohlener in ihren Sklavendienst pressen? Er hat seiner Arbeit nachzugehen – sofern er eine hat –, damit er seine Steuern bezahlen kann. Er hat seine Mitbürger zu denunzieren, und im übrigen hat er das Maul zu halten.

    Die ohnmächtige Wut, die bei den wenigen entsteht, die überhaupt mitbekommen, was da mit ihnen geschieht, führt fast zwangsläufig zu Aggressionsausbrüchen, die die Großen dieser Welt noch das Fürchten lehren dürften. Gegenwärtig sind die Waffen dieser Revoluzzer zwar noch nicht letal, dafür greifen sie immerhin das Zentrum jeder Persönlichkeit an: das Ego.

    Letztes Jahr bewarfen Brian Keegan and Remy Belvaux das Gesicht von Microsoft-Boß Bill Gates nicht etwa mit faulen Tomaten oder ebensolchen Eiern. Ihre Munition bestand aus leckeren Eiercrème-Törtchen, was der egozerstörenden Wirkung keinen Abbruch tat, sondern diese im Gegenteil sogar subtil verstärkte.

    Die Gerichtsverhandlung gegen die beiden Männer – Mitglieder einer Gruppe, die schon mehrfach ähnliche Angriffe auf andere Berühmtheiten aus Wirtschaft und Politik inszeniert hat – fand vor wenigen Tagen in Belgien statt. Wer aber denkt, daß Brian und Remy jetzt bei Wasser und Brot wegen “Milliardärsbeleidigung” im Kerker darben müssen, der irrt sich. Das belgische Gericht verurteilte sie wegen leichter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von BEF 3.000, also etwa DEM 150. Eine preiswerte, eine billige Rache – im wahrsten Sinne des Wortes.

    An die Törtchen, Leute, es gibt noch viel zu tun, hieße das logisch daraus folgende Motto – bliebe da nicht die Frage nach dem Grund der milden Bestrafung. Man kann freilich naiverweise der Meinung sein, daß der Widerstand gegen die Herrschenden auch beim verlängerten Arm der Administration auf das ihm zustehende gebührende Verständnis gestoßen ist. Allerdings ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen und außerdem um einiges plausibler, daß die großmütige Nachsicht eher der hoffnungslosen Vergeblichkeit dieses Lausbubenstreichs gegolten haben dürfte.

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