(mp) In den Städten Chicago, Baltimore und Milwaukee bieten die Lichtspieltheater von Cineplex Odeon, United Artist und General Cinema jedem Kinogänger, der etwas von sich hält und es sich leisten kann, einen ganz besonderen VIP-Service an: Für einen kleinen Aufpreis von etwa USD 8 wird er ohne Umschweife persönlich in einen privaten Vorführungsraum geleitet, der selbstverständlich schon in der Ausstattung mit Samt und Seide den gehobeneren Ansprüchen des erlesenen Publikums gerecht wird. Vom gemeinen Pöbel also ferngehalten, kann sich der statusbewußte Filmgenießer stilgerecht vom Kellner den georderten Drink servieren lassen, um sich dann mit ausgestreckten Beinen den allerneuesten Super-Thriller zu Gemüte zu führen.
Weil es eben keine Mondpreise sind wie beim luxuriösen Ehrenplatz in der Loge eines großen Sportstadions, der ja bekanntlich gut und gern ein paar Tausender kosten kann, findet auch der kleine Mann von der Straße dieserart einen Weg, seinen Wohlstand demonstrativ zur Schau zu tragen und sei's auch nur für wenige Stunden. Dank der zündenden Idee der Kinos ist der Snobismus für fast jedermann erschwinglich geworden.
Das Wall Street Journal beschreibt diesen Trend zwar zutreffend als die Demokratisierung des Status. Nur: Was bleibt vom Status noch übrig, wenn ihn jeder hat? Vielleicht sollte man die ganze Angelegenheit auch etwas gelassener betrachten und schlicht unter der Rubrik Verbesserung des Kundenservice verbuchen.