(ssc) Vor allem Vokabelwerk kurz die absolut unumgängliche Phonetik:
Das Wort Kaffee wird in Österreich mit allen Buchstaben gesprochen.
Ist zwar eigentlich wienuntypisch, da man dort ja z. B. Kitare (= Gitarre) und Gaugau (= Kakao) sagt. Bei Kaffee sind sich aber alle Österreicher einig: das K bleibt ein K und das zweite E hört man auch. Beim zweiten E unterscheiden sich die Deutschen von den Österreichern vehement.
Österreichische Ohren meinen drei (manchmal, je nach Breitengrad, auch vier) Fs zu hören, wenn sie in deutschen Landen lediglich das zweite E bei Kaffee vermissen.
Das war's schon zur Minimalphonetik.
Quasi als Grundbaustein der österreichischen Kaffees könnte beinahe der Kleine Schwarze gelten wenn es da nicht noch den Mokka gäbe. Zum Mokka kommen wir aber später und rechtzeitig.
Klein und groß sind die groben Unterschiede. Milch oder Obers (= Sahne) beziehungsweise Schlagobers (= Schlagsahne) dazu oder eben auch nicht, ergibt folgende Wahlmöglichkeiten:
Kleiner Schwarzer = 1 Teil Kaffee, 1 Teil Wasser
Kleiner Schwarzer kurz = 1 Teil Kaffee, 1/2 Teil Wasser
Kleiner Schwarzer lang = 1 Teil Kaffee, 2 Teile Wasser
Kleiner Brauner = 1 Teil Kaffee, 1 Teil Wasser, etwas Milch oder Obers
Kleiner Brauner kurz = 1 Teil Kaffee, 1/2 Teil Wasser, etwas Milch oder Obers
Kleiner Brauner lang = 1 Teil Kaffee, 2 Teile Wasser, etwas Milch oder Obers
Großer Schwarzer = 2 Teile Kaffee, 2 Teile Wasser
Großer Schwarzer kurz = 2 Teile Kaffee, 1 Teil Wasser
Großer Schwarzer lang = 2 Teile Kaffee, 3 Teile Wasser
Großer Brauner = 2 Teile Kaffee, 2 Teile Wasser, etwas Milch oder
Obers
Großer Brauner kurz = 2 Teile Kaffee, 1 Teil Wasser, etwas Milch oder
Obers
Großer Brauner lang = 2 Teile Kaffee, 3 Teile Wasser, etwas Milch
oder
Verlängerter = Rezeptur ist eigentlich nicht genau definiert, da man damit genau genommen alle bis jetzt erwähnten Sorten, die die Bezeichnung lang hintennach führen, meinen könnte.
Meist bestellt man auch in Österreich eilig nur noch einen Verlängerten und läßt sich einfach überraschen. Sollte man jedoch an einen Ober alter Schule geraten, ist es angebracht, den Wunsch genauer definieren zu können. Allen Verlängerten gemeinsam ist nur, daß sie mit Wasser verlängert werden und nicht mit Milch. Sonst hat man nämlich eine
Melange = Alles, was der Verlängerte beinhaltet, nur diesmal mit heisser (meist geschäumter) Milch verlängert statt mit Wasser. Mit Schokostreuseln (wahrscheinlich für die Laien) obenauf serviert.
Das waren die Alltagsvarianten. Man kann sich den Kaffeealltag aber auch durch den Sonderwunsch mit Schlagobers aufpäppeln. Geht natürlich nur bei allen braunen Sorten. Manchmal wird man diesbezüglich gefragt (also ob man ihn mit oder ohne Schlagobers haben möchte). Ist aber eine so neumodische Fragerei, die eine italienische Konditorei (Aida) hierzulande eingeführt hat. Da sie aber guten Kaffee macht, die Aida, hat man sich hier auch daran gewöhnt, Schlagobers abzubestellen, ohne daß man es (genau genommen) bestellt hat.
Und nun zu den Feiertagsvarianten:
Einspänner = eine Variante des Großen Schwarzen, er wird im Glas und mit Schlagobers serviert (ungefragt). Achtung: Man sollte sicher sein, in einem Kaffeehaus zu sitzen, sonst bekommt man nämlich ein Würstchen! Und zwar ein einzelnes Wiener Würstchen, das man hier aber als Frankfurter bezeichnet. (Ursprung: einspännige Kutsche). In Österreich weiß man anscheinend immer, wo man sitzt, deswegen gab's noch selten Feiertagsprobleme dieser Art. Bei Unklarheiten fragen Ober nämlich sowieso Löcher in den Bauch ihrer Gäste.
Fiaker = ein Schwarzer mit Rum im Wasserglas serviert.
Franziskaner = eine sehr lichte Melange, mit Schlagobers und Schokostreusel.
Kapuziner = fast ein Großer Brauner, nur heller in der Farbe. Dem Capuccino verwandt.
Mazagran = ein Schwarzer, der mit Eiswürfeln gekühlt und mit einem Schuß Maraschino (aus Sauerkirschen hergestellter Likör) serviert wird.
Maria Theresia = ein Schwarzer, versetzt mit Orangenlikör.
Wiener Eiskaffee = Vanilleeis mit gekühltem Schwarzen und viel Schlagobers obenauf.
Wie genau es manche Ober in Wien mit dem Verhältnis von Kaffee zu Milch nehmen können, ist übrigens nachzulesen unter folgender URL:
Und falls dort jemand hinsurfen sollte: Genaueres über den Mokka bleibt dann nicht aus. Auf dieser Site wird er mit cc geschrieben wahrscheinlich für die Touristen.
Außerdem weiß man dort offenbar noch nicht, daß es einen großen Entwicklungsschub gab. Man hat nämlich inzwischen auch in Österreich die Espresso-Maschine entdeckt. Diese ist das Werkzeug, mit dem alle oben genannten Schwarzen hergestellt werden.
Der Mokka allerdings hat eine längere österreichische Tradition aufzuweisen (quasi seit die Türken Wien erobern wollten also etwa seit 1683) und ist deswegen kaum noch zu bekommen:
Mokka-Rezeptur: Man nehme geröstete (zu Türkenzeiten waren's noch ungeröstete, also grüne) Kaffeebohnen und mahle sie fein, übergieße sie in einer vorgewärmten Kaffeekanne (worin das Gemahlene ruhte, bis das Kommende heiß wurde) mit sprudelndem, weil heissem Wasser (nachdem die Bohnen gemahlen waren, wurde dieses erhitzt), und schon hat man einen von vielen Mokkas.
Welchen man nun genau hat, entscheidet wiederum das Verhältnis von Kaffee zu Wasser und vor allem die Bohnensorte.
Daß man solch ein Getränk auch in Österreich schon lange vermißt, erklärt sich aus der Rezeptur, kombiniert mit der aktuellen Jahreszahl.
Und nun als Anhang die wichtigsten Benimm-Regeln in einem österreichischen Kaffeehaus:
Der Kellner ist unbedingt (!!!) und ausnahmslos als Herr Ober anzusprechen!
Sollte eine Frau dieser Ober sein (kommt heutzutage vor), dann ruft man am besten immer Fräulein. Kann man sich dazu ob deren graue Haare nicht überwinden, kommt man am besten mit Gnä' Frau ans Ziel. Man wird zwar bedient, aber das Etikett Ausländer hat man dann halt einzustecken.
Um weitere Ausrutscher zu vermeiden, sollte man wissen: Auch wenn's ganz nach Quarktörtchen ausschaut es ist bestimmt eine Topfentorte, ein Topfenstrudel oder gar ein Millirahmstrudel. Die Sahne hat sich hoffentlich schon erübrigt.
Mit Häferl oder Schale ist eine Tasse gemeint. Und grantig (= übelgelaunt) ist die normale Stimmungslage des Ober (er grantelt eben = so das dazugehörige korrekte österreichische Tätigkeitswort).
Zum Abschluß noch eine URL (nicht weit von der erstgenannten entfernt) zur Geschichte des Kaffeehauses in Österreich:
Ganz ohne Belehrung aus dem Buch Wiener Dialekt Lexikon von Wolfgang Teuschl (Verlag Schwarzer, Ausgabe 1990) sollte man nicht in ein Kaffeehaus gehen (der Verlagsname dürfte freilich reiner Zufall sein ):
Es war ja viel die Rede vom Schwarzen. Bitte dies immer mit den erwähnten Attributen (klein, groß, lang, kurz, usw.) in einem österreichischen Kaffeehaus verwenden. Sonst wird man glatt nach Steinhof (= Irren-Anstalt Wiens) oder nach Puntigam links (= dito in Graz) verwiesen.
Ein Schwarzer ohne empfohlene Attribute kann schließlich auch folgendes bedeuten:
Anhänger der konservativen Österreichischen Volkspartei (= ÖVP) ist ja fast noch harmlos;
Pfarrer/Pfaffe (schon schlimmer);
Schornsteinfeger na ja, auch nicht gerade genial, wenn man eigentlich nur Kaffee haben will
Straßenbahnkontrolleur (auch Schwarzkappler) sehr unangenehme Zeitgenossen, natürlich extrem grantig;
Schiedsrichter was immer das im einzelnen heißen mag.
Das war's soweit. Zusätzliche Vorsorge gegen trotzdem auftretende Kaffeehausprobleme:
Immer Kamera dabei haben, dann gilt man nämlich als Tourist (bringt angeblich Geld und ist willkommen) und nicht etwa nur als Ausländer (= heutzutage, aber vielleicht nicht erst seitdem, in Österreich eine Risikogruppe, der man dann vorzugsweise gleich Fingerabdrücke, biometrische Daten und den Paß für die Euro-Datenbank abnimmt).