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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Business

    Der Online-Markt:
    Vorsicht vor Statistiken!


    (rt) Alle Welt strebt ins Internet, der Privatmann ebenso wie der Unternehmer – nur was sie dort konkret erwartet, weiß leider keiner von beiden so genau.

    Während jedoch dem Privatkunden notfalls auch ein kostenloser Schnupper-Account genügt, um festzustellen, ob es sich für ihn lohnt, dauerhaft an der schönen neuen Welt der Datenströme teilzunehmen oder eben auch nicht, steht eine Firma, die den Sprung ins digitale Netz-Zeitalter wagen will vor weitaus schwierigeren Entscheidungen.

    Wenn man mit dem Marketinggeschrei der bereits installierten Anbieter, die jedermann den Aufbau einer Homepage “in weniger als fünf Minuten” verheißen, einmal tut, was ihm gebührt – es nämlich völlig auszublenden und der Vergessenheit zu überantworten –, bleibt unterm Strich die nüchterne Tatsache bestehen, daß selbst die Erstellung der kleinsten kommerziellen Website in der Regel mehrere Mann-Wochen bis -Monate erfordert, was kolossal ins Geld gehen kann, von der für eine einigermaßen professionelle und rationelle Handhabung erforderlichen Hard- und Software einmal ganz abgesehen.

    Auch die Folgekosten werden oft stark unterschätzt: Web-Präsenz meint eben just dies – ob die Website wider Erwarten gleich zu Beginn erfreulich viele Besucher (und natürlich – noch viel wichtiger – Kaufkunden) anzieht, oder ob sie ein kümmerliches, unbeachtetes Dasein unter millionen anderer Datengräber fristet: auf jeden Fall wird man Personal dafür abstellen müssen, die Site zu betreuen, die Seiten zu aktualisieren, Email-Anfragen zu beantworten, die Werbung zu schalten und zu überwachen, und so weiter, und so fort.

    Je nach Betriebsstruktur müssen zudem teilweise fundamentale Umstrukturierungen erfolgen, beispielsweise im Bestellwesen, in der Buchhaltung, in der Kostenkalkulation, im Personalmanagement sowie im Bereich der technischen Arbeitsorganisation, um nur ein paar der gängigeren Probleme aufzugreifen. All das kostet viel Geld, Zeit und Nerven, denn es genügt nun mal nicht, nur eine lieblose elektronische Plakat- und Prospektwand im World Wide Web aufzustellen, um dort auf die Schnelle den großen Reibach zu machen.

    Zudem schläft die Konkurrenz auch nicht, was schnell am eigenen Leib zu spüren bekommt, wer sich weigert, seine unternehmerischen Hausaufgaben zu machen: Abmahnungen wegen realer oder vermeintlicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht sind ebenso an der Tagesordnung wie Anzeigen und Klagen wegen Verletzung des Urheberrechts oder des Markenschutzes. Die Tatsache, daß die rechtlichen Grundparameter in vielen Bereichen immer noch alles andere als eindeutig und klar verständlich sind, tut ihr übriges, um dem Online-Unternehmer das Leben schwer zu machen.

    Erschwerend kommt hinzu, daß die Online-Bestellinfrastruktur vor allem im deutschsprachigen Raum nach wie vor gelinde gesagt eine Katastrophe ist. Während amerikanische Unternehmen schon seit Jahren Online-Zahlungen per gesicherter Kreditkartendaten-Übertragung in Echtzeit abwickeln können, kann die deutsche, österreichische oder schweizer Online-Firma davon bislang nur träumen. Gewiß, das dürfte sich wohl in absehbarer Zeit ändern, aber erstens kann dies immer noch Jahre dauern und zweitens ist dieses Problem nicht dazu angetan, dem vielbeschworenen E-Commerce jenen Auftrieb zu verleihen, den er gerade in der kostenaufwendigen Pionierphase so bitter nötig hat. Gewiß, das Problem läßt sich teilweise durch die Inanspruchnahme ausländischer (also: amerikanischer) Umbrella-Anbieter lösen, die den Online-Kredikartenverkehr routiniert und zuverlässig abwickeln – allerdings zu Konditionen, die manchem Unternehmer die Tränen in die Augen treiben dürften. So zahlen Sie in der Regel bei den führenden Anbietern für diesen Service je nach Umsatz zwischen 11 und 15% an Provision (unter Umständen auch erheblich mehr), eine Verringerung der Gewinnspanne, die in vielen Branchen vor allem in Anbetracht der anfänglichen Gestehungskosten völlig utopisch ist und erst einmal durch entsprechende Rationalisierungsmaßnahmen wieder wettgemacht werden will.

    Wer also kaufmännisch solide operieren möchte, wird sich zunächst damit befassen, ob der Markt solche Ausgaben und Risiken überhaupt hergibt. Was liegt da näher, als sich die Statistiken anzuschauen, die darüber Auskunft geben sollen, wie groß der Online-Markt gegenwärtig ist und welche Zukunftschancen ihm eingeräumt werden.

    Oder die, besser gesagt, darüber Auskunft geben sollten – denn sie tun es leider nicht wirklich, wie unsere Recherchen ergaben. Schauen Sie sich dazu bitte einmal die nun folgende Übersicht an, die wir für die Länder Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien ermittelt haben.

    Belgien wird hier übrigens aufgeführt, weil in diesem Land – was längst nicht jeder weiß – Deutsch immerhin dritte Amtssprache ist und die in Ostbelgien (eine bis 1918 dem Deutschen Reich zugehörige Landschaft) beheimatete Deutschsprachige Gemeinschaft mit ca. 65.000 Seelen immerhin insgesamt einen Kundenmarkt bietet, der von der Größe her einer mittleren deutschen Kleinstadt entspricht.

    Land Geschätzte Zahl
    der Internet-User
    Quelle(n)
    BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND a) 12 Millionen

    b) 7+ Millionen
    Stand: 04.11.1998
    a) GfK

    b) NOP Research


    Differenz (gerundet): ca. 70%
    SCHWEIZ 700.000
    = 9,7% der erwachsenen Bevölkerung
    Stand: 07.12.1998
    IDC Research
    BUNDESREPUBLIK ÖSTERREICH 362.000
    Stand: 04.11.1998
    IDC Research
    KÖNIGREICH BELGIEN a) 1,32 Millionen
    = 15,9% der Bevölkerung

    b) 369.000


    c) Deutschsprachige Gemeinschaft:
    3.000
    Stand: 19.11.1998
    a) Initiative Media Brüssel


    b) Grid Electronic Publishing Consultancy Brüssel

    c) Grenz-Echo/EuregioNet



    Differenz (gerundet): ca. 270%
    nach: CyberAtlas; Analysis e.V.; Archiv MaguScript


    Man braucht kein Einstein der Statistik zu sein, um darauf zu kommen, daß diese Zahlen ebensogut hätten erwürfelt sein können. Wirtschaftsdemographische Schätzungen zum Kriterium seriöser Marketingstrategien machen zu wollen, die tatsächlich zwischen 70% (Deutschland) und 270% divergieren, ist gelinde gesagt verwegen.

    Da wir uns hier nicht auch noch mit eigener pseudostatistischer Spökenkiekerei blamieren wollen, soll es uns auch nicht weiter interessieren, wie es zu derart widersprüchlichen Daten kommen kann. Fest steht jedenfalls, daß Sie gut beraten sind, sich nicht darauf allein zu verlassen, wenn Ihre Marketingstrategie nicht bereits im ersten Anlauf jämmerlich scheitern soll!

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