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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    BigBrother

    Der Müllmann und der Satellit


    (mp) Seit Ende des letzten Jahres ist es den Müllmännern im englischen Teignmouth unmöglich, sich in aller Ruhe eine mehr oder weniger verdiente Kaffeepause in ihrer Stammkneipe zu gönnen, ohne dabei automatisch vom Arbeitgeber in flagranti erwischt zu werden. Dank der neu eingeführten satellitengestützten GPS-Überwachung werden nicht nur die Fahrstrecken und die Fahrzeiten sondern selbstverständlich auch die Ruhezeiten der Müllentsorger überwacht. Zeit ist Geld.

    Viel Geld sogar: Das Management der Firma Onyx ließ verlauten, daß die Investition von rund USD 100.000 getätigt wurde, “um den Service am Kunden zu verbessern”. Man ist gerührt: Schließlich soll sich doch der Kunde, der seinen Abfall pflichtgemäß und pünktlich an den Straßenrand zu stellen pflegt, darüber freuen dürfen, daß die Wegschaffung dieses Unrats nun zügiger vonstatten geht und dabei sogar noch billiger wird – jedenfalls für die Firma.

    Angesichts der Höhe der Investition scheint aber die entscheidende Frage nicht zu sein, wieviel Zeit die englischen Abfallsammler denn um Himmels willen bisher während der Arbeitszeit vertrödelt haben müssen, sondern eher, ob sie überhaupt gearbeitet haben. Da aber anzunehmen ist, daß die gesamte Crew schon längst auf der Straße stünde, wenn sie sich nur ihre Erholungszeit (vom Privatleben) hätte bezahlen lassen, muß doch etwas anderes dahinter stecken. Allein schon das Argument, es gehe um die Kunden, läßt Böses ahnen, denn so viel Geld läßt kein Dienstleistungsunternehmen selbstlos springen, nur um die Kundschaft zufrieden zu stellen.

    Die Zeit der Versuchsballons ist vorbei. Als diebstahlsichernd wurde ja schon länger versucht, den Automobilisten das Global Positioning System schmackhaft zu machen. Der Erfolg scheint aber nicht den erhofften Erwartungen zu entsprechen, und deshalb muß – jedenfalls aus administrativer Sicht – zu schärferen Maßnahmen gegriffen werden. Nach dem Prinzip der Salamitechnik wird das Obligatorium zunächst für bestimmte Fahrzeuge eingeführt. Weitere Gruppierungen werden folgen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, denn die generelle Marschrichtung ist selbst für Vollblinde noch völlig offensichtlich.

    Angepeilt ist die Überwachung eines jeden einzelnen Bürgers, und das natürlich nicht nur während der Arbeitszeit …

    Nicholas Ventura, Marketingchef der mailänder Gen-Etics Corporation, wirbt bei potentiellen Kidnapping-Opfern, den Reichsten dieser Erde, für das “Sky Eye”, ein Mikrochip, der unter die Haut gepflanzt wird und die jederzeitige Lokalisierung des Trägers mittels GPS erlaubt. Bis heute haben sich schon rund 50 Personen die Hoffnung auf ein rechtzeitiges Reagieren der Polizei die USD 7.500 kosten lassen, die Gen-Etics für diese zukunftsweisende Transmutation zum waschechten Cyborg verlangt.

    Der Versuch läuft. Die Erweiterung ist im Gang (weitere Beispiele: elektronische Fußfesseln für Straftäter, Patienten-Chipcard, Langzeitspeicherung der Bewegungen von Mobilfunkkunden, Kriminalisierung des binnenländischen wie grenzüberschreitenden Bargeldbesitzes), und Scheibchen um Scheibchen wird uns auch diese vergiftete Salami noch untergejubelt werden, ob sie uns nun schmeckt oder nicht.

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