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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Lifestyle

    Kleiderkauf: heute und morgen


    (mp) Heute: In eine zu kleine, über- oder ungeheizte Umziehkabine gezwängt, schälen Sie sich aus Ihrer eigenen Hose, an die Sie sich gewöhnt hatten, die aber leider ihre beste Zeit schon längst hinter sich hat, und schlüpfen nacheinander in die verschiedenen Hosenmodelle, die Sie sich mühsam aus den weitverstreuten Regalen und Ständern zusammengesammelt haben. Das alles selbstverständlich unter den mißtrauischen Blicken des Verkaufspersonals, das weder das Wort “Bedienung” geschweige denn die Bedeutung davon zu kennen scheint. Bei der ersten Hose ist der Stoff zu rauh. Das kratzt ja fürchterlich. Sonst wären die gar nicht übel gewesen. Schade. Die zweite kriegen Sie gar nicht über die Hüften, obwohl die Größe XXL bis jetzt doch immer gepaßt hatte. Die dritte hat nun doch etwas zu große Bundfalten, und das sieht beim besten Willen nicht mehr elegant aus, und außerdem entspricht der Schnitt längst nicht mehr der neuesten Mode. Schon einigermaßen genervt steigen Sie in das vierte Paar. Das paßt ja wie angegossen. Aber halt, mit der Beinlänge stimmt was nicht. Das ist ja ein echtes Hochwasserexemplar. Nein, das war's auch nicht. In der letzten Hose, die Sie anprobieren, sehen Sie im Spiegel zwar gar nicht übel aus, aber die Bequemlichkeit läßt zu wünschen übrig. Und mit nur zwei Hosentaschen kommen Sie sowieso nicht aus.

    Jetzt haben Sie die Wahl: Entweder Sie geben sich mit einer Hose zufrieden, die ihren Ansprüchen bestenfalls ungefähr genügt, oder Sie lassen sich für teures Geld eine maßschneidern. Womit das Problem mit dem Sakko, den Sie unbedingt auch noch brauchen, noch immer nicht gelöst wäre.

    Doch mit dieser Plackerei soll es bald ein für alle mal vorbei sein, die schöne neue Welt der Computer macht's möglich – siehe das folgende Szenarium.

    Morgen: In einer angenehm geheizten Kabine wird Ihr Körper sekundenschnell mit Infrarotlaser und Schwarz-Weiß CCC-Kameras erfaßt und zu einem 3D-Bild zusammengesetzt. Aus der Körperoberfläche werden die Maße berechnet, wobei auch die Körperhaltung und eventuelle Asymmetrien berücksichtigt werden. Alle Werte erhalten Sie als Kunde auf einer Smartcard mit Chip gespeichert, damit die nächste Bestellung – etwa der Sakko, den Sie passend zur Hose haben wollen – noch einfacher ist.

    Nachdem Sie Stoff, Farbe und Modellform ausgesucht haben, erfolgt der Online-Auftrag an die Produktionsstätte. Ein Produktionsleitsystem sammelt und verarbeitet alle Informationen aus Auftragsverarbeitung, Konstruktion und Zuschnitt, überprüft die Plausibilität derselben, erstellt die Daten für den Arbeitsplan und überwacht diesen. So werden beispielsweise die erzeugten Schnittbilder automatisch an den CNC-Cutter weitergegeben, der die Stoffteile zuschneidet. Und die Nähmaschinen und Bügeleisen sorgen dann für den letzten Schliff.

    Die Kosten für diese maßgeschneiderten Kleider sollen nicht wesentlich höher sein als die von der Stange und natürlich wesentlich niedriger als die vom persönlichen Schneider.

    Gearbeitet wird daran wahrscheinlich rund um den Globus. In England zum Beispiel werden die ersten Kunden in 12-18 Monaten von diesem ausgeklügelten System profitieren können, meint der dortige Projektleiter Philip Treleaven am University College zu London, der für seinen ausgeklügelten Body-Scanner immerhin Forschungsgelder in Höhe von GBP 3,4 Millionen bekommen hat.

    Und in Deutschland (genauer: im württembergischen Hohenstein) wurde am Internationalen Textilforschungsinstitut eigens für den gleichen Zweck eine Modellfabrik aufgebaut, wo erst kürzlich ein solches System präsentiert wurde und auch getestet werden konnte. Beteiligt sind dort die Kraus & Reichert GmbH und die Firma Pfaff mit ihren intelligenten Nähmaschinen und Bügeleisen.

    Auf der Strecke bleiben, so hofft man wenigstens, Zeitverlust, Streß, Ärger und – Ihre Anonymität.



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