(as) Alte Wortschätze haben etwas Faszinierendes, besonders jedoch, wenn es um Schelt- und Schimpfworte geht.
Um so einen Leckerbissen handelt es sich bei dem Buch 1500 Scheltnamen aus Eupen, Raeren, Hauset, Kelmis, Aachen, zusammengetragen von Dr. Michel Kohnemann in Zusammenarbeit mit in den Ortschaften ansässigen Mundartkennern.
Dieses 224 Seiten dicke Werk listet zum einen die Schelt- und Schimpfnamen, aber auch ortstypische Kosenamen des alten Limburgischen Landes auf. Allzu intime Wörter oder bestimmten Personen anhaftende Namen läßt der Autor jedoch taktvollerweise aus, was dem ganzen jedoch keinen Abbruch tut.
Dann folgt ein lexikalischer Teil, der, ausgehend vom Hochdeutschen oder von der verhochdeutschten Mundartform, die Namen wiedergibt, wie sie in den einzelnen Ortschaften gesprochen wurden. So erfährt man zum Beispiel unter dem Begriff Kollemol, daß ein Fettleibiger in Raeren, Hauset und Kelmis ein Kollemohl ist, in Eupen als Kollemolle und in Aachen als Kallemohl beschimpft wird. Die meisten dieser Namen sind auch heute noch den Mundartsprechenden geläufig.
Im zweiten Teil untersucht der Verfasser, auf welchen Grundbegriffen die Scheltnamen basieren. Durch die Auflistung der Häufigkeit der verwendeten Grundwörter erfährt man etwa, daß Kopf das beliebteste Grundwort ist, gefolgt von Maul.
Danach wird auch noch eine praktische Übung unter dem Titel Versteehs de dat, daa kans de Platt geboten.
Es folgt eine Erzählung Erénneronge an de Jränz é Hosent, in der Willy Timmermann aus Hauset von Lählebäcke, Zohlbülle, Hahredrihter und Schmugglerjesòcks berichtet. Nichteinheimische sind ohne das eingangs gebrachten Lexikon wahrscheinlich aufgeschmissen. Es gibt aber auch zahlreiche Wörter, für die selbst Mundartfachleute keine eindeutige Erklärung haben. Selbstverständlich sind auch diese im Scheltbuch aufgelistet.
Schließlich wird die Sammlung noch ergänzt durch Scheltnamen aus dem Hunsrück und aus der Eifel, nach Nord- und Südeifel getrennt. Viele Namen aus dem alten Limburgischen sind nämlich auch dort bekannt.
Das Buch wird durch 16 Zeichnungen aufgelockert. Die Bedeutungen der Bilder werden allerdings erst auf Seite 110 verraten. Und noch etwas Eigentümliches: Weil für den lexikalischen Teil jeweils eine Doppelseite benötigt wurde, sind nur die rechten Seiten des Buchs durchnummeriert, was dem ganzen bei der facettenreichen Behandlung des Themas etwas Liebevoll-Exzentrisches verleiht.
Das Buch ist erhältlich im:
Töpfereimuseum
Burgstraße 103
B-4730 Raeren
oder bei:
Dr. Michel Kohnemann
Neudorf 9
B-4730 Raeren
Tel.: 0032-87-851284
Der Preis ist gewiß kein Grund zum Schimpfen: Er beträgt nur BEF 450 (ca. DEM 22).