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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Gesundheit

    Nabelschnurbanken als Sicherheit, oder: Freiheit ist vorauseilender Gehorsam


    (mp) Vor allem in Ostdeutschland stößt man auf die seltsam anmutende Werbung einer Firma, die den schon für sich sprechenden Namen VITA beansprucht. Sie bietet frischgebackenen Eltern an, das Blut aus der Nabelschnur ihres Neugeborenen einzufrieren. Nein, nein: Da spricht niemand von einer Gendatenbank. Bei einer eventuell im späteren Leben auftretenden Blutkrebserkrankung könne man dem Patienten anhand seiner eigenen Blutstammzellen helfen.

    DEM 2.900 sollte Ihnen die Hoffnung auf die lebensrettende Maßnahme für Ihr potentiell leukämiekrankes Kindes doch wohl wert sein. Mehr als Hoffnung ist es allerdings nicht, was Sie sich da erkaufen. Noch wissen die Experten nämlich nicht, ob die leukämischen Zellen da nicht schon mit drin sind.

    Daß solche Nabelschnurbanken nichts Neues sind, mag den Laien vielleicht überraschen. Tatsächlich gibt es sie schon seit ungefähr zehn Jahren an den Universitätskliniken, wenn auch die Konzepte völlig andere sind: Die Spenderregistratur erfolgt weltweit (!) und die Hilfe ist nicht nur für den Spender allein bestimmt. Je größer die Bank desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß für jeden das Richtige dabei ist. So wird's uns wenigstens angepriesen.

    Der Handel mit Hoffnungen blüht schon, seit es Menschen gibt. Angesichts der trüben Aussichten läßt sich der Mensch die versprochenen Vorteile, die ihm wie Möhren vor die Nase gebunden werden, immer mehr kosten. (Paradebeispiel: die gesamte Versicherungswirtschaft.) Erst wenn der Mensch sich diese Illusionen nicht mehr freiwillig erkauft, weil er sie vielleicht sogar als bloße Phantombilder durchschaut, wird deutlich, was es mit dieser Freiwilligkeit auf sich hat. Denn wenn die Möhre als Anreiz nicht genügt, wird eben statt dessen der gute alte Druck eingesetzt. Dann wird der Mensch eben staatlicherseits dazu gezwungen, sich die Utopie vom sichereren, gesünderen, besseren, längeren Leben zuzulegen. Die Zwangsabsicherungen in Form von Kranken-, Renten-, Pflege- und Invaliditätsversicherung (und was es da sonst noch so alles gibt) sprechen eine deutliche Sprache.

    Um Sicherheit kann es dabei nicht gehen, weil es die nämlich schlicht und ergreifend nicht gibt. Und wer die Befürchtung hegt, daß es in nicht allzu ferner Zukunft eine Datenbank genetischer Fingerabdrücke gibt, die jeden von uns erfaßt hat, der fürchtet sich im Grunde nur vor dem Schnee von gestern.

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