(mp) Was dem Zoologen seine Fruchtfliege, ist dem Biologen seine Ackerschmalwand. Damit wird auf Teufel-komm-raus experimentiert, geprokelt, verschnitten und gepanscht. Wissenschaftliche Versuche nennen sich diese Tüfteleien.
Forscher aus der Schweiz und der Ukraine haben diesem sogenannten Unkraut jetzt ein Fremdgen eingebaut, mit dessen Hilfe die Ackerschmalwand dem Menschen mitteilen kann, wie stark er die Umgebung mit radioaktiver Strahlung verseucht hat. Das tut sie nun ausgesprochen gern, die Ackerschmalwand: Wenn ihre Chromosomen strahlengeschädigt werden, verändert sie je nach Stärke der Schädigung die Farbe ihrer Blätter. Und das nur, um uns zu informieren. Die Pflanze selbst kann und soll sich auch gar nicht vor der Strahlung schützen.
Nachdem die Versuche in der Ukraine erfreulich erfolgreich verlaufen sind, dürfen wir schon bald damit rechnen, daß wir so ein wertvolles Pflänzchen als grünen Geigerzähler für unseren Hausgarten erwerben können. Grün bedeutet noch immer für viele Menschen gesund, natürlich, unverfälscht, naturbelassen und somit gut. Mit diesem raffinierten sprachlichen Trick soll uns also vorgegaukelt werden, daß für unsere Gesundheit und somit für unsere Sicherheit gesorgt ist. Aber eben, die Pflanze kann und soll uns nicht vor der Strahlung schützen. Vielleicht geht es ja einzig darum, uns eines der vielen Damoklesschwerter nicht vergessen zu lassen, die über unseren Köpfen schweben.