(mp) Großes Aufsehen erregte kürzlich ein kleiner, schuppiger, stacheliger, bronzebraun und weiß marmorierter flügelloser Käfer, der sich laut Bekanntgabe der CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) unverhofft als lebendes Fossil entpuppte. Er war australischen Wissenschaflern in eine Falle geraten, die eigentlich für fliegende Insekten gedacht war. (Was ja nicht unbedingt für die Professionalität der Forscher spricht, aber auch die Glücksritterei ist ja ein durchaus ehrbares Handwerk).
Die fossilen Überreste seiner Vorfahren finden sich über den ganzen Globus vertreut. Was wiederum darauf schließen läßt, daß diese Familie entstanden ist, als sich die Kontinente noch nicht getrennt hatten. Bei dem neu entdeckten Käfer handelt es sich um einen Ommatiden: ein Mitglied einer Familie also, die bis in die Kreidezeit (vor 210 bis 145 Millionen Jahren) zurückverfolgt werden kann. Das Krabbeltier unterscheidet sich so deutlich von den anderen, glatteren Mitgliedern seiner Familie, die, zwar selten aber immerhin überhaupt noch in Ostaustralien vorkommen, daß Lawrence der Glücksritter in Erwägung zieht, seine Entdeckung nicht als neue Art sondern gleich als neue Gattung zu klassifizieren.
Warum diese neue Gattung so lange unentdeckt geblieben sein könne, wurden die Wissenschaftler erwartungsgemäß gefragt. Ihre überaus kompetente Antwort: Vielleicht, weil sie einen großen Teil ihres Lebens im Untergrund verbringt.
Mag sein, daß der Tip gar nicht so schlecht ist: Ab in den Untergrund und sich ja nicht mehr blicken lassen! Aber auch das scheint kein Patentrezept zu sein, wenn man bedenkt, daß auch Maulwürfe den größten Teil ihres Lebens im Untergrund verbringen und dennoch bekannt sein dürften wie die bunten Hunde. Woraus sich als zusätzliche Regel ableiten läßt: Und bloß keine Spuren hinterlassen!