(rt) Eigentlich als Frauen-Site konzipiert, wurde diese Webadresse völlig zurecht mit dem begehrten Bottroper Bor, ey!-Award ausgezeichnet nämlich wegen ihrer unvermuteten Verdienste um Dokumentation und Erhalt des Ruhrgebiet`s Slang. (Na ja, die Rechtschreibung hammse da wohl auch nicht erfunden )
Aber wer nun mal wissen will oder muß, was eine Köttelbecke ist, ein Negerdorf oder Kackstelzen, der ist hier goldrichtig. Auch Beiträge zur gepflegten Konversation dürfen da nicht fehlen, etwa die zünftige Anrede: Tach altes Gemäuer!
Selbst die höheren Weihen einheimischer Dialogkunst werden fachkundig vermittelt (Hey Alter! ... Wie isett? Guut. Und sons? Muß.), ebenso wie praktische Hinweise zum gepflegten Eskalationsmanagement (Willze wattt auffe Fresse? Kannze kriegen.)
Und schließlich: Wer kommt schon von allein darauf, sich unter einem Inselaffen einen Engländer vorzustellen? Muckibude (für Fitneß-Studio) mag sich dem beherzten Hobby-Linguisten mit etwas Einfühlungsbemühen ja noch von selbst erschließen, ebenso die inzwischen auch überregional zu bescheidenem Bekanntheitsgrad gelangten Begriffe Mafiatorte (für Pizza), Lattenjupp (für Heiland) und Lümmeltüte (für Kondom).
Doch wie steht es mit Pöter (Gesäß), den Papst in der Tasche haben (Glück), Senf anne Decke (Heiterkeit), Furzknoten (Kind), Kaline (Mädchen), Türkenkoffer (Plastiktasche nein, politisch korrekt sind sie da nicht gerade!), da kannze ein Ei drüber schlagen (schlecht), Kotlett ans Knie labern (schwafeln), ösig (ungehalten), Rochus (Wut), Graf Kotz (Angeber) oder Döppen (Augen)?
Da müßte eigentlich jedem Sprachforscher und Volkskundler der Kugelschreiber in der Tasche aufgehen. Wen stört es da schon, daß manches arg ans Berlinische erinnert, ans Kölsche und ans Münsterländische, wie auch natürlich ans allgemeine Neudeutsche der Gegenwart? Schließlich war das Ruhrgebiet schon immer Ein- und Zuwanderungsgebiet, so daß es im Gegenteil eher verwundern würde, fände man solche Einflüsse hier nicht vertreten.
Im Begriff auszusterben scheinen dagegen die früher dort üblichen Lehnbegriffe aus dem Jiddischen zu sein, beispielsweise nich ganz koscher für daran ist etwa faul, Schikse als abfälliger Begriff für Frau (auch: Schlampe während das jiddische Wort ursprünglich pauschal alle Nichtjüdinnen bezeichnete) oder die von jenem Kante für Zuwanderer aus Osteuropa (meist Polen).
So entwickelt sich Umgangssprache eben: Vieles kommt hinzu, manches geht verloren. Auch wenn diese Site keinerlei wissenschaftliche Ansprüche erhebt als Zeitzeugnis ist sie allemal wertvoll, und unterhaltsam dazu.