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    Gesamtindex [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Kultur

    Sprache im Pott


    (rt) Eigentlich als Frauen-Site konzipiert, wurde diese Webadresse völlig zurecht mit dem begehrten Bottroper “Bor, ey!”-Award ausgezeichnet – nämlich wegen ihrer unvermuteten Verdienste um Dokumentation und Erhalt des “Ruhrgebiet`s Slang”. (Na ja, die Rechtschreibung hammse da wohl auch nicht erfunden …)

    Aber wer nun mal wissen will oder muß, was eine “Köttelbecke” ist, ein “Negerdorf” oder “Kackstelzen”, der ist hier goldrichtig. Auch Beiträge zur gepflegten Konversation dürfen da nicht fehlen, etwa die zünftige Anrede: “Tach altes Gemäuer!”
    Selbst die höheren Weihen einheimischer Dialogkunst werden fachkundig vermittelt (“Hey Alter! ... Wie isett?” “Guut.” “Und sons?” “Muß.”), ebenso wie praktische Hinweise zum gepflegten Eskalationsmanagement (“Willze wattt auffe Fresse? Kannze kriegen.”)

    Und schließlich: Wer kommt schon von allein darauf, sich unter einem “Inselaffen” einen Engländer vorzustellen? “Muckibude” (für Fitneß-Studio) mag sich dem beherzten Hobby-Linguisten mit etwas Einfühlungsbemühen ja noch von selbst erschließen, ebenso die inzwischen auch überregional zu bescheidenem Bekanntheitsgrad gelangten Begriffe “Mafiatorte” (für Pizza), “Lattenjupp” (für Heiland) und “Lümmeltüte” (für Kondom).

    Doch wie steht es mit “Pöter” (Gesäß), “den Papst in der Tasche haben” (Glück), “Senf anne Decke” (Heiterkeit), “Furzknoten” (Kind), “Kaline” (Mädchen), “Türkenkoffer” (Plastiktasche – nein, politisch korrekt sind sie da nicht gerade!), “da kannze ein Ei drüber schlagen” (schlecht), “Kotlett ans Knie labern” (schwafeln), “ösig” (ungehalten), “Rochus” (Wut), “Graf Kotz” (Angeber) oder “Döppen” (Augen)?

    Da müßte eigentlich jedem Sprachforscher und Volkskundler der Kugelschreiber in der Tasche aufgehen. Wen stört es da schon, daß manches arg ans Berlinische erinnert, ans Kölsche und ans Münsterländische, wie auch natürlich ans allgemeine “Neudeutsche” der Gegenwart? Schließlich war das Ruhrgebiet schon immer Ein- und Zuwanderungsgebiet, so daß es im Gegenteil eher verwundern würde, fände man solche Einflüsse hier nicht vertreten.

    Im Begriff auszusterben scheinen dagegen die früher dort üblichen Lehnbegriffe aus dem Jiddischen zu sein, beispielsweise “nich ganz koscher” für “daran ist etwa faul”, “Schikse” als abfälliger Begriff für “Frau” (auch: “Schlampe” – während das jiddische Wort ursprünglich pauschal alle Nichtjüdinnen bezeichnete) oder “die von jenem Kante” für “Zuwanderer aus Osteuropa” (meist Polen).

    So entwickelt sich Umgangssprache eben: Vieles kommt hinzu, manches geht verloren. Auch wenn diese Site keinerlei wissenschaftliche Ansprüche erhebt – als Zeitzeugnis ist sie allemal wertvoll, und unterhaltsam dazu.

    URL: http://members.aol.com/utekk/

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